Teilprojekt 1 - Ligeti in Duisburg

Choreographien und Musik zu Ligetis Musica ricercata – entwickelt von Grundschülern und Gymnasiasten

Im Schuljahr 2013/2014 beschäftigten sich sechs Klassen der Grundschule Sandstraße und eine 5. Klasse des benachbarten Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums mit Ligetis Musica ricercata. In wöchentlichen Workshops, die Bestandteil des regulären Schulunterrichts waren, entwickelten sie Choreographien zu ausgewählten Klavierstücken und ließen sich von diesen zu eigener Musik inspirieren.

Musica ricercata als Ausgangspunkt für die Projektarbeit

Ausgangspunkt für die schöpferische Arbeit war dabei der „Versuchs-Charakter“ der Klaviersammlung. So schreibt der Komponist in einer Werkeinführung: „[…] ich habe mir selbst Aufgaben mit strengen Regeln gestellt, so etwa im ersten Stück: Was kann ich aus einem einzigen Ton und seinen Oktavtranspositionen machen (der zweite Ton kommt erst am Schluß hinzu). Das zweite Stück ist aus drei verschiedenen Tönen entwickelt, im dritten beschränke ich mich auf vier Töne (c, es, e, g, also nur einen Dur- und einen Molldreiklang), und so geht es weiter […].“

In freier Anknüpfung an Ligeti formulierten die Grundschüler und Gymnasiasten im Laufe der Projektarbeit ihre eigenen Aufgaben und Regeln. Das kreative Potential, das aus dieser Selbstbeschränkung erwächst, lässt sich nicht hoch genug einschätzen. So erklärt der Musiklehrer Klaus Hagge, der das Projekt gemeinsam mit der Tänzerin Petra Jebavy leitet: „Es gab für mich in dieser vom Education-Team des Klavier-Festivals Ruhr angestoßenen und begleiteten Auseinandersetzung mit Ligeti ein Schlüsselerlebnis. Egal in welcher Form oder Musik man sich bewegt, ist es von zentraler Bedeutung, gemeinsame Regeln zu verabreden. Das heißt die Kinder müssen, egal ob sie nun musizieren oder tanzen Regeln finden, die verlässlich werden. Dann kann das, was die Kinder erfinden, für sie reproduzierbar werden und für einen Zuhörer erkennbar bleiben.“

Video: Inklusives Projekt, Grundschule Sandstrasse | © 2014

Schulübergreifende Kooperation

Ein wichtiges schulpolitisches Anliegen der Projektarbeit ist es, den Kontakt zwischen der Grundschule Sandstraße und dem Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium zu vertiefen und die Grundschüler bei dem bildungsbiographisch entscheidenden Übergang in die weiterführende Schule zu begleiten. Auf Initiative des Klavier-Festivals Ruhr und der Schulamtsdirektorin a. D. Brigitta Kleffken wurde deshalb bereits zum zweiten Mal ein Lehreraustausch zwischen beiden Schulen durchgeführt. Während des gesamten Schuljahrs unterrichteten Klaus Hagge und Petra Jebavy neben den Grundschulklassen auch die beteiligte fünfte Klasse des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums. Im Gegenzug arbeitet ein Gymnasiallehrer im Schuljahr 2013/2014 für zwei Wochenstunden an der Grundschule Sandstraße. Entscheidend für das Gelingen des Projekts war außerdem, dass alle Kinder, die mit Beginn des Schuljahrs 2013/14 von der Grundschule Sandstraße aufs Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium wechselten, in dieselbe Klasse eingeschult wurden.

Lehrer für Lehrer: Schulinterne Fortbildung

Schließlich wurde an der Grundschule Sandstraße im Jahr 2014 zum ersten Mal eine neuartige Form der Lehrerfortbildung erprobt. So übernahmen Klaus Hagge und Petra Jebavy in der Klassenstufe 4 Supervisoren-Funktion. Jede Woche besuchten sie eine andere 4. Klasse und unterstützten die drei beteiligten Klassenlehrer dabei, die schöpferische Arbeit zunehmend selbstständig anzuleiten. Judith Pfeiffer, die wie ihre beiden Kolleginnen fachfremd unterrichtet, berichtet: „Die Dinge, die wir in diesem Projekt ausprobiert haben, macht man nicht von alleine. Für uns war es deshalb wunderbar, beim ersten Stück eine sehr klare Anleitung zu haben und erst beim zweiten Stück mehr Freiheit zu bekommen. In der Anfangsphase des Projekts wäre das für uns noch nicht möglich gewesen.“

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