Remix – Ein kreatives Projekt mit Schülern und Studierenden aus Essen

Studierende und Oberstufenschüler in einem Projekt zusammenzubringen und auf diese Weise auch die Kontakte zwischen den Institutionen Schule und Hochschule zu intensivieren, war die Ausgangsidee des zweitenDiscovery-Projekts des Klavier-Festivals Ruhr 2007. Unter der Leitung von Prof. Bernhard Eichner und Prof. Peter Schneider haben Studierende der Essener Folkwang Hochschule und Schüler und Lehrer des Gymnasiums Essen-Werden im Mai und Juni 2007 in zahlreichen Workshops und Proben ihre eigenen Songs produziert und am 15. Juni im Konzerthaus Dortmund aufgeführt. Im Zentrum des Projekts stand dabei kein Werk eines „klassischen“ Komponisten, sondern das Phänomen des „Remix“, das sich in den 1980er Jahren zu einer neuen Kunstform entwickelt hat. Gemeint ist mit diesem Begriff die Neuabmischung eines bestehenden Musikstücks, das in einzelnen Elementen oder als Ganzes klanglich bearbeitet und verändert wird.

Im Laufe des Projekts entstanden neue und sehr unterschiedliche Formen des „Remix“, die sich aus heutiger Perspektive mit den Beatles auseinandersetzen. Wie Bernhard Eichner berichtet, ging es „dabei nicht um die Wiedererkennbarkeit weltbekannter Hits – die vorhandenen Texte und die Musik waren vielmehr Ausgangspunkt und Triebfeder für eigene musikalische Überlegungen der jungen Erwachsenen. Ziel des Projekts war es, Musik als einen kreativen Prozess greifbar zu machen. In den Arbeitsphasen – vom ersten Einfall bis zur Aufführung – gingen daher verschiedene Aspekte der Musikproduktikon Hand in Hand: Das Schreiben von Song-Texten, die Ausarbeitung musikalischer Ideen, der Umgang mit Computer basierten Kompositionsprogrammen, Instrumentalspiel und Gesang. So entstand eine Reihe inspirierter und individueller Songs, die das beachtliche Potenzial ihrer jungen Komponisten und Interpreten offenbarten.“

Was ist ein Remix?

Als Phänomen der musikalischen Gegenwart spielt das so genannte "Remix" in vielen Strömungen aktueller populärer Musik eine entscheidende Rolle und hat sich seit der Entstehung der Clubkultur in den 1980er Jahren zu einer eigenständigen Kunstform entwickelt. 'Remix' bezeichnet die Neuabmischung eines bestehenden Musikstücks, eine Neu-Organisation der musikalischen Elemente, die sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen entfaltet und sich dabei mehr oder weniger weit vom Original entfernen kann. Im einfachsten Fall wird lediglich der Rhythmus verändert – um ein Musikstück beispielsweise mit modernen 'Beats' anzureichern und für die Tanzfläche nutzbar zu machen.

Die Spannweite der Möglichkeiten reicht jedoch bis hin zu Neu-Interpretationen, in denen das Original nicht mehr eindeutig zu erkennen ist. An die Stelle einer herkömmlichen Songform treten charakteristische Gestaltungsmittel wie Zitat und Collage. Die ursprüngliche Musik wird in einzelne Elemente gespalten, Geräusch und Klang werden zeitlich neu organisiert und in einen virtuellen Raum gestellt. Bei diesen äußerst kreativen Erscheinungsformen des 'Remix' steht immer die Generierung neuer 'Sounds' im Fokus, der Einsatz anderer Instrumente, insbesondere Computer basierter Klangquellen mit ihren vielfältigen Möglichkeiten der Verfremdung. Im Extremfall bildet eine solche Verfahrensweise einen musikalischen Stil aus, der sich gleichsam selbst zitierend von einem Original vollständig gelöst hat.
Bernhard Eichner