Freitag | 20. April 2018 | 20:00 Uhr
Düsseldorf | Robert-Schumann-Saal | Robert-Schumann-Saal
Beethoven-Trios
Daniel Barenboim
Preisträger des Klavier-Festivals Ruhr 1999
Michael Barenboim (Violine)
Kian Soltani (Violoncello)

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„Gewaltig, mächtig und ergreifend trat Beethoven in jenen schönen Trios als Klavierkomponist auf, die er dem Fürsten Lichnowsky zueignete. Neuheit und Fülle, eine Leichtigkeit die harmonischen Hilfsmittel zu gebrauchen, eine gewisse Eigenheit des Stiles und der Behandlung ließen von dem jungen Manne einen originellen und genialen Komponisten erwarten.“ Mit dieser Lobeshymne erinnerte der Kritiker des „Wiener Journals für Theater, Musik und Mode“ 1806 an die erste offizielle kompositorische Visitenkarte, mit der der Neu-Wiener Ludwig van Beethoven für Aufsehen gesorgt hatte. 25 Jahre alt war er, als im Sommer 1795 im Verlag Artaria unter der Opuszahl 1 seine „Trois trios / Pour le Piano-Forte, Violon, Violoncelle“ veröffentlicht wurden. Und diese Sammlung wurde auf Anhieb auch materiell zu einem immensen Erfolg. Dank dem Widmungsträger Fürst Karl Lichnowsky, der den Komponisten in sein Stadtpalais aufgenommen und gefördert hatte, war die Zahl der Vorbestellungen der Klaviertrios gerade in Aristokratenkreisen mehr als ansehnlich. Dass Beethoven seinen Werkkatalog mit einer Gattung eröffnete, in der Haydn und Mozart Maßstäbe gesetzt hatten, zeugte aber nicht nur von enormem Selbstbewusstsein. Er konnte sich zugleich bei den Aufführungen seiner Trios als Klaviervirtuose ausweisen.

Die Klaviertrios op. 1, die in den Jahren 1793/94 entstanden, sind allesamt viersätzig gehalten und weisen jeweils eine Spieldauer von rund einer halben Stunde auf. Was die Werke darüber hinaus miteinander verbindet, sind brillant aufgestellte Ecksätze, bei denen selbst die talentiertesten Amateurpianisten jener Zeit ins Schwitzen gekommen sein dürften. Bevor aber bei dem jetzt zu hörenden Klaviertrio Nr. 2 in G-Dur op.1,2 die drei Instrumente sich fulminant und unterhaltsam ins Zeug legen, hat Beethoven zunächst eine kleine Überraschung parat: im Gegensatz zu den beiden Geschwisterwerken beginnt dieses Trio mit einer langsamen, ungemein erlesenen und empfindungsreichen Einleitung, deren Atmosphäre ihre Fortsetzung sodann im großen Largo-Satz finden wird. Abseits der Konvention – und damit typisch Beethoven – ist aber nicht nur das eher nachdenklich daherkommende Scherzo gehalten. Beim Finalsatz geht es hingegen so furios und springlebendig zu wie bei einer Rossini-Ouvertüre. Von dem unbekümmerten Elan der beiden vorausgegangenen Werke sind im Klaviertrio Nr. 3 in c-Moll op. 1,3 nur noch Spuren zurückgeblieben, vor allem im langsamen Variationssatz. Stattdessen walten wuchtige bis dramatische Kräfte (1. Satz), die sich im Finale – trotz so mancher Aufhellungen – in einem ständigen Unruhezustand befinden. Und die gesamte Spannung löst sich schließlich in den letzten Takten auf, in einem bittersüßen Pianissimo.

 

Beethovens letztes Klaviertrio in B-Dur op. 97 besitzt nichts von der ringenden Kämpfernatur, mit der er noch 1808 die beiden vorausgegangenen Trios op. 70 angegangen war. Nun, im Jahre 1811, gibt sich Beethoven geradezu freundlich und entspannt. Das Werk widmete er zwar seinem Klavierschüler, dem Erzherzog Rudolph von Österreich (daher auch der beliebte Titel „Erzherzog-Trio“). Den Klavierpart bei der Wiener Uraufführung am 11. April 1814 spielte Beethoven selbst und gab damit zugleich seinen öffentlichen Abschied als Pianist. Unter den Zuhörern war auch Ignaz Moscheles, der kurz darauf in sein Tagebuch notierte: „Bei wie vielen Kompositionen steht das Wörtchen ‚neu‘ am unrechten Platze: Doch bei Beethovens Kompositionen nie, und am wenigsten bei dieser, welche wieder voll Originalität ist. Sein Spiel, den Geist abgerechnet, befriedigte mich weniger, weil es keine Reinheit und Präzision hat; doch bemerkte ich viele Spuren eines großen Spielers, welches ich in seinen Kompositionen schon längst erkannt hatte.“

Welche Ausgewogenheit das Trio beherrscht, zeigt sich direkt im eröffnenden Allegro moderato. Das vom Klavier vorgetragene Thema wird nicht konfliktreich fortgesponnen, sondern ist Grundlage für ein stimmungsvolles Geflecht aus kantablen Seitengedanken, milden Pianissimo-Klangflächen und rauschhafter Farbigkeit. Das nachfolgende Scherzo besitzt ebenfalls nicht die markante Wucht des „mittleren“ Beethoven. Eher dominiert eine tänzerische Leichtigkeit diesen Satz, der sich nach einem kontrapunktischen Einwurf in einem Jubelfinale entlädt. Das eigentliche Zentrum des Trios bildet das als Variationensatz angelegte Andante cantabile. In seiner konzentrierten wie ergreifenden Kostbarkeit kündigt sich hier der schon der „späte“ Beethoven, der Komponist der „metaphysischen“ Klaviersonaten und Streichquartette an.

Guido Fischer

 

 

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