Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2018 Ausgewähltes Konzert
Sonntag | 17. Juni 2018 | 20:00 Uhr
Italienisches Konzert
Claire-Marie Le Guay

Inspiriert von den 24 Präludien in Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ schuf Claude Debussy zwischen 1910 und 1913 einen äußerst abwechslungsreichen Klavierzyklus mit 24 Préludes, der zu seinen berühmtesten Werken gehört. Dabei nahm er die ursprüngliche Bedeutung des Verbes „präludieren“ als improvisieren und fantasieren sehr wörtlich. Charakteristisch sind die programmatischen Hinweise und Assoziationshilfen, die allerdings immer erst am Ende eines Stücks gegeben werden. Auf- und niederschwebende Harfenklänge beschreiben in dem intimen Stück Danseuses de Delphes das feierliche Schreiten der jungen Tempeldienerinnen. Reine Dreiklänge symbolisieren die sakrale, geheimnisvolle Atmosphäre. Einen deutlichen Kontrast dazu bildet die traurige, eisige Winterladschaft in Des pas sur la neige, deren ermattete Motive und ostinate Begleitfiguren lebensfeindliche Kälte ausstrahlen. Mit musikalischen Mitteln erzählt Debussy in La cathédrale engloutie die alte bretonische Sage der verwunschenen Kirche von Ys, die unter Glockengeläut, Chorgesang und Orgelklang majestätisch an der Wasseroberfläche erscheint, um bald darauf wieder in den Tiefen des Meeres zu versinken. Federnde, bizarre Rhythmen schildern in dem durch Shakespeares Sommernachtstraum inspirierten Prélude La danse de Puck das launige Treiben des Waldgeistes.

Als Johann Sebastian Bach 1731 zum ersten Mal einige seiner Werke offiziell drucken ließ, wählte er für diesen besonderen Anlass die Sechs Partiten BWV 825-830 aus. Sie wurden unter dem Titel Klavierübung publiziert und sorgten in der musikalischen Welt für großes Aufsehen. Über die genaue Entstehungszeit der sechs Suiten ist nichts bekannt, wahrscheinlich lagen alle Stücke aber schon zu Beginn der Drucklegung vollendet vor. Die Freiheit, mit der Bach die Satzfolgen wählte, die Kühnheit, mit der er aus den Tanzsätzen freie Charakterstücke formte und die Meisterschaft, mit der er jeder Partita ihre unverwechselbare Individualität gab, zeigten ein deutliches Abrücken von der alten Suitentradition. Aufgrund ihrer prägnanten Kürze erfreut sich die Partita Nr. 1 BWV 825 besonderer Beliebtheit. Das Präludium erfüllt mit seiner formalen Transparenz, strengen Dreistimmigkeit und festlichen Grundstimmung die Erwartungen an die Gattungstradition. Nach einer zweistimmig gehaltenen Allemande, einer leichtfüßigen Corrente im italienischen Stil und einer getragenen, reich verzierten Sarabande folgen zwei Menuette. Besonders glanzvoll ist die Gigue konzipiert, deren virtuoses Über- und Ineinandergreifen der Hände an die italienische Cembalomusik Scarlattis erinnert.

Hinter dem Oberbegriff Mazurka verbergen sich verschiedene Volkstänze der masurischen Seenplatte und ihrer Umgebung: Der typische Masurek, der schnelle Oberek sowie der langsame, schwermütige Kujawiak. Alle drei Tänze entstammen dem ländlich-dörflichen Milieu, wo stürmisches männliches Werben und weibliche Koketterie aufeinandertreffen. Camille Saint-Saëns schrieb insgesamt drei Mazurkas für Klavier, von denen die erste 1875 als op. 21 veröffentlicht wurde. Sie entstand bereits 1862 und ist durch einen ostinaten Oktavsprung im Bass gekennzeichnet, der die Grundlage für den charakteristischen Tanzrhythmus mit der scharfen Betonung des zweiten Taktteils bildet. Darüber entfaltet sich ein melancholisches Moll-Thema, das durch ein kantables, liebliches Motiv in Dur kontrastiert wird. Auch im weiteren Verlauf der Mazurka bleibt der Gegensatz zwischen Dunkel und Licht, zwischen Bangen und Hoffen beim Liebeswerben stets präsent.

Im Alter von 21 Jahren brach Wolfgang Amadeus Mozart im Herbst 1777 zu einer ausgedehnten Reise nach München, Augsburg, Mannheim und Paris auf, um dem kleinstädtischen Salzburger Milieu für eine Weile zu entfliehen. Den Winter verbrachte er am Hof des kunstliebenden Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz in Mannheim, dessen Orchester nicht nur mit hervorragenden Leistungen, sondern auch mit innovativen Ideen international für Furore sorgte. Eine von Mozarts Kompositionen aus dieser Zeit ist die Sonate in D-Dur KV 311, die mit ihrer Leichtigkeit und Spielfreude die unbeschwerte, beschauliche Atmosphäre am Hof widerspiegelt. Das Hauptthema des 1. Satzes zeichnet sich durch einen Dualismus von Kraft und Grazie aus und wird durch ein galant lyrisches Seitenthema kontrastiert. Nachdem in der Durchführung auch düstere Mollregionen und melancholische Klänge zum Tragen kamen, geht es in Reprise und Coda wieder heiter zu. Das rondoähnlich konzipierte Andante lebt vom anmutigen Vortrag leiser, verhaltener Gefühle. Frisches Spieltemperament, dramatische Kontraste und polyphone Satztechniken sind kennzeichnend für das virtuose Finale, das sogar mit einer konzertmäßigen Kadenz aufwartet.

Für den 1735 erschienenen zweiten Teil der Klavierübung wählte Johann Sebastian Bach das Italienische Konzert BWV 971 und die „Ouvertüre nach französischer Art BWV 831“ aus. Nachdem er schon 20 Jahre zuvor einige Violinkonzerte von Vivaldi für Cembalo solo umgearbeitet und sich dabei intensiv mit der Gattung auseinandergesetzt hatte, gelang ihm mit dem Italienischen Konzert ein Meisterwerk, das in der Musikgeschichte seinesgleichen sucht. Einzigartig ist nicht nur die brillante Übertragung der orchestralen Konzertform auf ein Tasteninstrument, sondern auch die Synthese zwischen dem galanten, italienischen Stil und dem strengen deutschen Kontrapunkt. Der für das Instrumentalkonzert charakteristische Kontrast zwischen tutti und solo wird durch den dynamischen Wechsel zwischen forte und piano konsequent nachgeahmt. Das musikalische Material des festlichen Allegro moderato besteht aus einen fröhlichen Hauptsatz und einem lyrischen Seitensatz. Nachdem beide Abschnitte mit Variationen wiederholt wurden, folgen eine Art Durchführung und die notengetreue Reprise des Hauptsatzes. Das Andante ist als zweistrophige Liedform mit Coda konzipiert und lebt von einer reich verzierten Kantilene, die sich über einer ostinat angelegten Begleitung entfaltet. Das Finale wirkt trotz seiner polyphonen Anlage spielerisch und übermütig. Verstärkte Virtuosität mit einer durchgängigen, vorwärtsstrebenden Achtelbewegung prägt den fröhlichen Kehraus. 

Andrea Susanne Opielka

 

 

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