Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2018 Ausgewähltes Konzert
Freitag | 18. Mai 2018 | 20:00 Uhr
Preis: € 45 | 35 | 25
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Arabesque
Benjamin Moser
Liza Ferschtman (Violine)
Delian Quartett

In Paris gelang dem russischen Komponisten Igor Strawinsky sein internationaler Durchbruch. Er komponierte für die dort ansässigen Ballets Russes und sicherte sich 1913 mit der Uraufführung des für sie geschaffenen „Le Sacre du printemps“ endgültig die Aufmerksamkeit der gesamten Musikwelt. Im Jahr darauf folgte auf diese groß orchestrierte eine kammermusikalisch konzentrierte Kühnheit: In den Drei Stücken für Streichquartett führte Strawinsky seinen Wagemut weiter. In ihrer aphoristischen Kürze sowie in ihren zum Teil ungewöhnlichen Spielweisen gleichen sie einer avantgardistischen Visitenkarte. In dem besonders knappen Anfangsstück stilisiert Strawinsky einen russischen Volkstanz, in dem melodischer Schwung, metrische Verrückung und rhythmische Rauheit verschmelzen. Die nur von kurzen sehnsuchtvollen Momenten durchsetzte groteske Gestik des zweiten Stücks weckt Erinnerungen an die Gliederpuppe Petruschka und war vom englischen Clown Little Tich inspiriert. Dagegen ist das langsame dritte Stück von einem sanftmütigen und beinahe liturgischen Charakter erfüllt, der leicht dissonanten Schmerz mit gefühlvollem Trost vereint. In einer späteren Orchesterfassung gab der Komponist den drei kurzen Stücken, ihren kontrastierenden Stimmungen entsprechend, die Titel „Danse“, „Excentrique“ und „Cantique“.

In Paris hatte Igor Strawinsky auch Claude Debussy kennengelernt. Schon bald waren beide einander künstlerisch und freundschaftlich verbunden. Debussy hatte Strawinskys zukunftsweisendes Potenzial erkannt. Und Strawinsky traf in Debussy auf einen der wesentlichen Neuerer der französischen Musik. Selbst Debussys Anfänge, die noch in vergleichsweise traditionellem Terrain wurzeln, tragen schon den Keim des Spezifischen in sich. So atmet die um 1890 entstandene Arabesque in E-Dur als zärtliche Erzählung einerseits noch ganz den romantischen Duft des Salons. Andererseits gibt ihre perlende Ornamentik bereits eine Vorahnung auf jenes atmosphärische Schweben und Schwingen, das sich auf immer subtilere Weise bis in das Spätwerk hinein fortsetzen wird. Der selben Zeit, und gewissermaßen auch dem selben Geist, entstammt Debussys Rêverie („Träumerei“). Im Gegensatz aber zum lichten Glitzern der Arabesque ist sie, gleichsam komplementär, erfüllt von schwärmerisch-dunklem Sentiment und verhaltener, sich nur mitunter steigernder Leidenschaft.

Neben dem Klangzauberer Debussy tauchte in Frankreich bald ein zweiter Klangzauberer auf: Maurice Ravel. Es ist durchaus eine Wechselwirkung im Werk der beiden Komponisten und eine gewisse geistige Verwandtschaft festzustellen. Ihr zunehmendes Konkurrenzverhältnis wurde mehr von außen befeuert, als dass es ihren eigenen Empfindungen entsprach. Ravel zeigte sich auch als arrivierte Musikerpersönlichkeit noch offen für neue Einflüsse und Farben. In seiner 1922 begonnenen und 1927 abgeschlossenen Sonate für Violine und Klavier in G-Dur erwies er auch dem Jazz seine Referenz. Der erste Satz („Allegretto“) führt hinein in eine traumverlorene Atmosphäre. Durch schwebende Tonalität und bitonale Einfärbungen entfaltet sich eine zauberhafte Entrücktheit. Dabei werden die Stimmen der beiden Instrumente im gemeinsam sich fortspinnenden Spiel unabhängig voneinander geführt. Der zweite Satz („Moderato“) trägt die Überschrift „Blues“, dessen Idiomatik er bei aller eigenwilligen Verfremdung durchgängig verpflichtet ist. Auch er ruht – As-Dur und G-Dur erklingen gleichzeitig – auf einer bitonalen Basis. Was improvisiert wirkt, ist freilich auskomponiert. Die Freiheit des Jazz trifft auf eine neoklassizistische Form, die sich am Ende fast fragmentarisch auflöst. Der dritte Satz („Allegro“) ist mit „Perpetuum mobile“ betitelt. Hier spielte der Ingenieurssohn Ravel vergnügt mit komponierter Maschinenrhythmik, die er immer mehr beschleunigt, bis der effektvolle Satz scheinbar ungebremst voranrast.

Ein zentraler Begegnungsort der Pariser Künstlerschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert war der Salon des Komponisten Ernest Chausson. Maurice Ravel verkehrte in diesem illustren Kreis ebenso wie Claude Debussy, mit dem Chausson befreundet war. Gemeinsam mit Debussy beispielsweise studierte Chausson eingehend die Partitur und damit die unerhörte Klangwelt von Modest Mussorgskys „Boris Godunow“. Im Gegensatz zu seinem etwas jüngeren Freund und Kollegen jedoch hat Chausson (freilich auch aufgrund seines viel zu frühen Todes durch einen Fahrradunfall) die Romantik nicht gänzlich hinter sich gelassen. Obwohl er der Ästhetik seines Lehrers César Franck verpflichtet blieb und die Faszination für das Werk Richard Wagners ihren Widerhall fand, gelang es Ernest Chausson dennoch, eine facettenreiche und originelle Mittlerposition zwischen der sich zu Ende neigenden Epoche und der anbrechenden Moderne einzunehmen. Das in seiner Genrezugehörigkeit schillernde Konzert für Violine, Klavier und Streichquartett in D-Dur komponierte Chausson zwischen 1889 und 1891. Der erste Satz entwickelt sich aus einem dreitönigen Motiv. In beinahe Wagnerscher Manier spinnt sich der melodische Faden fort. Düster und feierlich ist dieser Auftakt, ein Manifest dunkel leuchtender Romantik. Dagegen kennzeichnet den zweiten Satz ein melancholisches Wiegen, mitunter ein leichtes Schweben, zunehmend auch ein Schwelgen. Als schwermütiger Klagegesang ist der fahl anhebende dritte Satz („Grave“) ausgestaltet. Zwar scheint in ihm immer wieder zart die Zuversicht durch, doch bricht über diese Augenblicke stets und mit zunehmender Vehemenz wieder sich verdichtende Dunkelheit herein. Der Finalsatz, „Très animé“, gerät in seinem bewegten Vorwärtsdrängen zuweilen fast fröhlich, zuweilen auch vereinzelten Gedanken nachsinnend. Schließlich steuert er beseelt und leidenschaftlich auf ein euphorisches Ende zu.

Oliver Binder

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