Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2018 Ausgewähltes Konzert
Donnerstag | 24. Mai 2018 | 20:00 Uhr
Essen | Philharmonie Essen | Alfried Krupp Saal

Seit 9. November 2017 im Frühbucher-Angebot

Fantaisie
Jean-Yves Thibaudet
Josep Pons (Dirigent)
Bochumer Symphoniker

Die „Apachen“ trafen sich samstagabends in der Wohnung des Malers Paul Sordes. Maurice Ravel war der Kopf der Gruppe von Künstlern und Bohémiens, die in Paris um 1900 von sich reden machte. Ravel war es auch, der ein fiktives Mitglied mit dem Namen Gomez de Riquet einführte – „... falls es die Umstände erfordern, einen Namen zu nennen, ohne dadurch einen Kollegen zu belästigen.“ Die künstlerische Atmosphäre der Treffen beschreibt der Dichter Léon-Paul Fargue folgendermaßen: „Ravel teilte unsere Vorlieben, unsere Schwächen, unsere Manie für chinesische Kunst, für Mallarmé, Verlaine, Rimbaud und Corbière, Cézanne und van Gogh, Rameau und Chopin, Whistler und Valéry, für die Russen und Debussy.“ Und Ravel muss seine Apachen geliebt haben. Jedes der Stücke der „Miroirs“ widmet er Mitgliedern der Runde, darunter auch dem Pianisten Ricardo Vines, der 1906 die Klavierfassung der „Miroirs“ uraufführte. „Die Miroirs 1905 bilden eine Sammlung von Klavierstücken, die in der Entwicklung meiner Harmonik eine recht beträchtliche Wandlung markieren, sodass selbst diejenigen Musiker aus der Fassung gebracht wurden, die bis dahin am meisten mit meiner Kompositionsweise vertraut waren“, schrieb Ravel. Das vierte der fünf Stücke heißt Alborada del Gracioso, und die von Ravel selbst angefertigte Orchesterfassung wurde bald populärer als das Original.

Claude Debussys großes Gespür für Klangfarben - eingebunden in ein sinfonisch-komplexes Gebilde - zeigt sich schon in einem Frühwerk. Die Fantaisie pour piano et orchestre komponierte Debussy im Alter von 27 Jahren; sie ist sein einziges Werk für diese Besetzung – sozusagen sein Klavierkonzert. Aufgeführt wurde das Werk erst nach seinem Tod im Jahr 1919 vom Royal Philharmonic Orchestra mit Alfred Cortot als Solisten in London. Eine geplante Aufführung im Jahr 1890 wurde abgesagt, da der Dirigent Vincent d‘Indy nicht genug Zeit hatte, sich mit der Partitur zu beschäftigen und nur den ersten Satz spielen wollte. Das wiederum passte Debussy nicht. Auch nach einigen Überarbeitungen verfügte der enttäuschte Komponist, dass die Fantaisie pour piano et orchestre zu seinen Lebzeiten nicht aufgeführt werden sollte.

Über die Trois Nocturnes schrieb Claude Debussy an seinen Freund, den Geiger Eugène Ysaÿe: „Eigentlich ist es ein Versuch über die Klangmöglichkeiten für eine einzige Farbe; in der Malerei würde ihm zum Beispiel eine Studie in Grau entsprechen.“ In der Tat ließ er sich durch die Arbeiten des amerikanischen Malers James Abbott McNeill Whistler inspirieren, dessen „Nocturnes“ betitelte Bilder fast monochrome und sehr melancholisch wirkende Ansichten nächtlicher Großstädte zeigen. Debussys Nocturnes wurden 1900 in Paris uraufgeführt. Der Komponist, der sich meist sehr zurückhaltend über seine Stücke äußerte, beschrieb hier die Programmatik und Symbolik jedoch recht genau: „Der Titel ‚Nocturne‘ ist hier im Allgemeinen und vor allem im dekorativen Sinn zu verstehen. Er soll also nicht die Standardform Nocturne bezeichnen, sondern die verschiedenen Impressionen und besonderen Lichteffekte, die das Wort andeutet.“ Ursprünglich war die Komposition als Violinstück für Eugène Ysaÿe gedacht. Debussy entschied sich dann aber für ein sinfonisches Triptychon. „Nuages: Das ist das ewige Bild des Himmels mit dem langsamen und melancholischen Zug der Wolken, um dann in Grautönen mit einem Anflug von Weiß zu ersterben“, so Claude Debussy. „Fêtes: Das ist die Bewegung, der tanzende Rhythmus der Atmosphäre mit dem plötzlichen Aufflammen greller Lichter; darin auch die Episode einer Prozession; der Zug durchquert das Fest und verliert sich dann in ihm. Aber die Hauptsache bleibt dabei immer das Fest mit seinem Gewoge aus Musik und tanzenden Lichtern, das am kosmischen Rhythmus teilhat.“

Paris übte auch eine große Anziehungskraft auf den spanischen Komponisten Manuel de Falla aus. Von 1907 bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs blieb er in der französischen Metropole und ließ sich von Debussy, Ravel und Dukas inspirieren. Dort schrieb er unter anderen seine „Trois mélodies“ nach Gedichten von Théophile Gautier. In Paris lernte er auch den Impresario Sergei Djagilew kennen, der stets auf der Suche nach neuen Komponisten war, die Musik für sein „Ballets russes“ schrieben. Wenig begeistern konnte er de Falla von der Idee, die „Nächte in spanischen Gärten“ zu einem Ballett zu bearbeiten. Anders sah es mit El sombrero des tres Picos (Der Dreispitz) aus. In Madrid wurde die Pantomime 1917 uraufgeführt und nach einigen Änderungswünschen von Djagilew zwei Jahre später in London unter der Leitung von Ernest Ansermet einem großen Publikum vorgestellt. Die1874 erschienene Erzählung „El Sombrero de tres Picos“ des spanischen Schriftstellers Pedro Antonio de Alarcón y Ariza (1833–1891), die der Theaterautor und Regisseur Gregorio Martínez Sierra zusammen mit seiner Frau María Lejárraga für Manuel de Falla zu einem zweiaktigen Ballettlibretto umarbeitete, erzählt von einem Streich, der einem alternden Richter gespielt wird. Der hat ein Auge auf die schöne Frau des Müllers geworfen. Sie lockt ihn so lange, bis er sich kurz vor dem Ziel seiner Begierde wähnt. Doch dann schreiten die Nachbarn ein und verspotten ihn, während der Müller und seine Frau sich gegenseitig Treue schwören. In diese einfache Handlung lässt Manuel de Falla auf seine typische Art die iberische Kultur und andalusische Musiktradition einfließen. Wenn korrupte Bürokratie auf das impulsive Leben trifft, dann schimmern bei de Falla auch immer satirische und komödiantische Aspekte durch. „El Sombrero des tres Picos“ mit all seinem Charme ist eine typische Dorfgeschichte. Musikalisch sollte – auch nach Wunsch Sergei Djagilews – möglichst authentisch das spanische Milieu eingefangen werden, und so machte de Falla sich mit dem russischen Choreographen Leonid Massine auf den Weg in die spanischen Provinzen, um die regionalen Tänze zu studieren. Der Zauber von Fandango, Jota und Seguidillas hat bis heute nicht seinen Reiz verloren.

Anja Renczikowski

Die „Apachen“ trafen sich samstagabends in der Wohnung des Malers Paul Sordes. Maurice Ravel war der Kopf der Gruppe von Künstlern und Bohémiens, die in Paris um 1900 von sich reden machte. Ravel war es auch, der ein fiktives Mitglied mit dem Namen Gomez de Riquet einführte – „... falls es die Umstände erfordern, einen Namen zu nennen, ohne dadurch einen Kollegen zu belästigen.“ Die künstlerische Atmosphäre der Treffen beschreibt der Dichter Léon-Paul Fargue folgendermaßen: „Ravel teilte unsere Vorlieben, unsere Schwächen, unsere Manie für chinesische Kunst, für Mallarmé, Verlaine, Rimbaud und Corbière, Cézanne und van Gogh, Rameau und Chopin, Whistler und Valéry, für die Russen und Debussy.“ Und Ravel muss seine Apachen geliebt haben. Jedes der Stücke der „Miroirs“ widmet er Mitgliedern der Runde, darunter auch dem Pianisten Ricardo Vines, der 1906 die Klavierfassung der „Miroirs“ uraufführte. „Die Miroirs 1905 bilden eine Sammlung von Klavierstücken, die in der Entwicklung meiner Harmonik eine recht beträchtliche Wandlung markieren, sodass selbst diejenigen Musiker aus der Fassung gebracht wurden, die bis dahin am meisten mit meiner Kompositionsweise vertraut waren“, schrieb Ravel. Das vierte der fünf Stücke heißt Alborada del Gracioso, und die von Ravel selbst angefertigte Orchesterfassung wurde bald populärer als das Original.

Claude Debussys großes Gespür für Klangfarben - eingebunden in ein sinfonisch-komplexes Gebilde - zeigt sich schon in einem Frühwerk. Die Fantaisie pour piano et orchestre komponierte Debussy im Alter von 27 Jahren; sie ist sein einziges Werk für diese Besetzung – sozusagen sein Klavierkonzert. Aufgeführt wurde das Werk erst nach seinem Tod im Jahr 1919 vom Royal Philharmonic Orchestra mit Alfred Cortot als Solisten in London. Eine geplante Aufführung im Jahr 1890 wurde abgesagt, da der Dirigent Vincent d‘Indy nicht genug Zeit hatte, sich mit der Partitur zu beschäftigen und nur den ersten Satz spielen wollte. Das wiederum passte Debussy nicht. Auch nach einigen Überarbeitungen verfügte der enttäuschte Komponist, dass die Fantaisie pour piano et orchestre zu seinen Lebzeiten nicht aufgeführt werden sollte.

Über die Trois Nocturnes schrieb Claude Debussy an seinen Freund, den Geiger Eugène Ysaÿe: „Eigentlich ist es ein Versuch über die Klangmöglichkeiten für eine einzige Farbe; in der Malerei würde ihm zum Beispiel eine Studie in Grau entsprechen.“ In der Tat ließ er sich durch die Arbeiten des amerikanischen Malers James Abbott McNeill Whistler inspirieren, dessen „Nocturnes“ betitelte Bilder fast monochrome und sehr melancholisch wirkende Ansichten nächtlicher Großstädte zeigen. Debussys Nocturnes wurden 1900 in Paris uraufgeführt. Der Komponist, der sich meist sehr zurückhaltend über seine Stücke äußerte, beschrieb hier die Programmatik und Symbolik jedoch recht genau: „Der Titel ‚Nocturne‘ ist hier im Allgemeinen und vor allem im dekorativen Sinn zu verstehen. Er soll also nicht die Standardform Nocturne bezeichnen, sondern die verschiedenen Impressionen und besonderen Lichteffekte, die das Wort andeutet.“ Ursprünglich war die Komposition als Violinstück für Eugène Ysaÿe gedacht. Debussy entschied sich dann aber für ein sinfonisches Triptychon. „Nuages: Das ist das ewige Bild des Himmels mit dem langsamen und melancholischen Zug der Wolken, um dann in Grautönen mit einem Anflug von Weiß zu ersterben“, so Claude Debussy. „Fêtes: Das ist die Bewegung, der tanzende Rhythmus der Atmosphäre mit dem plötzlichen Aufflammen greller Lichter; darin auch die Episode einer Prozession; der Zug durchquert das Fest und verliert sich dann in ihm. Aber die Hauptsache bleibt dabei immer das Fest mit seinem Gewoge aus Musik und tanzenden Lichtern, das am kosmischen Rhythmus teilhat.“

Paris übte auch eine große Anziehungskraft auf den spanischen Komponisten Manuel de Falla aus. Von 1907 bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs blieb er in der französischen Metropole und ließ sich von Debussy, Ravel und Dukas inspirieren. Dort schrieb er unter anderen seine „Trois mélodies“ nach Gedichten von Théophile Gautier. In Paris lernte er auch den Impresario Sergei Djagilew kennen, der stets auf der Suche nach neuen Komponisten war, die Musik für sein „Ballets russes“ schrieben. Wenig begeistern konnte er de Falla von der Idee, die „Nächte in spanischen Gärten“ zu einem Ballett zu bearbeiten. Anders sah es mit El sombrero des tres Picos (Der Dreispitz) aus. In Madrid wurde die Pantomime 1917 uraufgeführt und nach einigen Änderungswünschen von Djagilew zwei Jahre später in London unter der Leitung von Ernest Ansermet einem großen Publikum vorgestellt. Die1874 erschienene Erzählung „El Sombrero de tres Picos“ des spanischen Schriftstellers Pedro Antonio de Alarcón y Ariza (1833–1891), die der Theaterautor und Regisseur Gregorio Martínez Sierra zusammen mit seiner Frau María Lejárraga für Manuel de Falla zu einem zweiaktigen Ballettlibretto umarbeitete, erzählt von einem Streich, der einem alternden Richter gespielt wird. Der hat ein Auge auf die schöne Frau des Müllers geworfen. Sie lockt ihn so lange, bis er sich kurz vor dem Ziel seiner Begierde wähnt. Doch dann schreiten die Nachbarn ein und verspotten ihn, während der Müller und seine Frau sich gegenseitig Treue schwören. In diese einfache Handlung lässt Manuel de Falla auf seine typische Art die iberische Kultur und andalusische Musiktradition einfließen. Wenn korrupte Bürokratie auf das impulsive Leben trifft, dann schimmern bei de Falla auch immer satirische und komödiantische Aspekte durch. „El Sombrero des tres Picos“ mit all seinem Charme ist eine typische Dorfgeschichte. Musikalisch sollte – auch nach Wunsch Sergei Djagilews – möglichst authentisch das spanische Milieu eingefangen werden, und so machte de Falla sich mit dem russischen Choreographen Leonid Massine auf den Weg in die spanischen Provinzen, um die regionalen Tänze zu studieren. Der Zauber von Fandango, Jota und Seguidillas hat bis heute nicht seinen Reiz verloren.

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