Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2018 Ausgewähltes Konzert
Montag | 07. Mai 2018 | 20:00 Uhr
JazzLine
Jacky Terrasson Trio
Jacky Terrasson
Burniss Earl Travis II (Bass)
Lukmil Perez (Drums)

Setlist:

- Happy Birthday / My Funny Valentine (Rodgers)

- Take Five (Desmond)

- Smile (Chaplin)

- Marhaba Blues (A. Ibrahim)

 

- Beat it (M. Jackson) / Harry Potter Theme (Williams) / Somewhere Over The Rainbow (Arlen)

- Caravan (Ellington)

- My Church (Morris/Busbee)

- Lover Man (Davis/Ramirez)

 

Zugaben:

- Love For Sale (Porter)

- Con Alma (Gillespie)

Auf Frankreich liegt in diesem Jahr der Hauptakzent des Klavier-Festivals Ruhr, und da darf in der JazzLine ein Pianist nicht fehlen, der hier zu den Stammgästen gehört: Jacky Terrasson. Aufgewachsen ist er in Paris, auch mit französischer Musik, die ihn bis heute nicht loslässt. Interpretationen von Chansons, Liebesbekundungen an Frankreich und die Musik des Landes ziehen sich durch seine Diskographie wie ein roter Faden. Schon das Debüt Jacky Terrasson (1994) begann mit Cole Porters „I Love Paris“. Später widmete der Pianist ein komplettes Album der sprichwörtlichen „Stadt der Liebe“ und ihrem Liedgut: À Paris (2000). Neben einer Neufassung von „I Love Paris“ sowie Chansons von Édith Piaf, Barbara, Charles Trenet oder Jacques Brel nahm er sich hier sogar die „Marseillaise“ vor, und zwar als anrührende Ballade. Wobei er sich beeilte zu versichern: „Ich spiele das nicht aus Patriotismus oder französischem Chauvinismus. Ich bin an der Melodie interessiert, denn die ist sehr schön.“

„Bei dem Album“, fährt er fort, „verfahre ich so, wie Jazzmusiker es durchweg mit amerikanischen Songs tun: Man nimmt eine Melodie, um darüber zu improvisieren. Die Stücke, die ich ausgewählt habe, sind den Franzosen vertraut; in Amerika sind sie meist unbekannt. Aber es sind die Songs, mit denen ich aufgewachsen bin und die mich von Kindheit an begleitet haben.“ Auf Smile (2002) platzierte er neben anderen Chansons auch Kosma/Préverts „Les feuilles mortes“, das als „Autumn Leaves“ zum Jazzstandard wurde, oder Bud Powells „Parisian Thoroughfare“. Als er mit dem Flötisten Emmanuel Pahud jazzige Arrangements von klassischer Musik spielte (Into the Blue, 2003), waren ganz selbstverständlich auch Stücke von Maurice Ravel, Claude Debussy und Gabriel Fauré dabei. Nicht zuletzt begleitete Terrasson den Grandseigneur des Chansons, Charles Aznavour, bei dessen Jazzexkursionen. Das Livekonzert zu dieser Produktion konnten Jazzfans beim Klavier-Festival Ruhr 2003 in Bochum erleben.

Geboren wurde der Sohn einer Afroamerikanerin und eines Franzosen 1965 in Berlin. Die Familie zog nach Paris, dort erhielt Jacky ab dem fünften Lebensjahr klassischen Klavierunterricht. Mit zwölf entdeckte er Scheiben von Billie Holiday und Miles Davis in der Sammlung seiner Mutter. Er lernte nach Platten von Bud Powell, Bill Evans und Thelonious Monk, vertiefte aber noch die klassische Ausbildung, bevor er am berühmten Berklee College of Music in Boston Jazz studierte. Nach dem Abschluss jammte er in New Yorker Clubs, bis er Anfang der neunziger Jahre in zwei der wichtigsten Eliteschmieden für den Jazznachwuchs die höheren Weihen erlangte: Erst die Sängerin Betty Carter, dann der Drummer Art Taylor holten ihn in ihre Bands. „Von Betty lernte ich eine Menge über Transparenz und Raum – und darüber, wann man etwas spielen sollte und wann nicht“, resümiert Terrasson. Wichtige Einsichten fürs eigene Spiel, denn genau diese Qualitäten sind es, die heute seine Musik so spannend machen.

1993 gewann er den prestigeträchtigen Thelonious-Monk-Wettbewerb, im Jahr darauf nahm ihn das Traditionslabel Blue Note unter Vertrag – der Einstieg in eine große Karriere: Im Nu gehörte Terrasson zu den meistbeachteten Newcomern des Jazz. Sein erstes Trio, das wegen seiner Raffinesse und seines raumgebenden, atmenden Zusammenspiels gern mit dem von Ahmad Jamal verglichen wurde, rollte die Jazzszene auf wie ein Donnerschlag. Daneben war der Pianist mit Michael Brecker, Cassandra Wilson, Stefon Harris, Jimmy Scott oder Dianne Reeves zu hören, doch Schwerpunkt seiner Arbeit blieb stets das Trioformat. Mit jungen Rhythmusgruppen beweist er Mal für Mal eine feine Nase für neue Talente. Und für nicht alltägliche Programme, ist doch das Frankreich-Faible nur eines seiner vielen musikalischen Interessen.

In aller Regel spielt er einen Mix aus Standards, eigenen Stücken und populären Nummern jenseits des gängigen Jazzrepertoires. Manchmal komme ihm der Jazz erschreckend konservativ vor, meint er, doch das lässt sich von Jazz à la Terrasson gewiss nicht sagen. Unser Mann mischt Ravels „Bolero“, Pink Floyds „Money“ oder Carole Kings „You’ve Got a Friend“ unter Standards und Originals. „Ich greife gerne Stücke auf,“ sagt er, „die nicht im Real Book stehen, die man aber im Radio oder in Filmen hört.“ Auf Push (2010) verknüpfte er Michael Jacksons „Beat It“ mit der immergrünen Jazzballade „Body and Soul“ zu einem unorthodoxen Medley, auf Gouache (2012) stellte er einem Lied von Erik Satie Songs von Amy Winehouse („Rehab“) und Justin Bieber („Baby“) gegenüber. Und auf Mother (2016), das er mit dem Trompeter Stephane Belmondo – unter dem Duonamen „Terramondo“ (!) – einspielte, stehen Standards und Originals einträchtig neben Stevie Wonder und französischem Chanson.

Bei Terrassons letztem JazzLine-Konzert (2016) zogen die Songs nur so vorüber, fast wie Zitate – ein munteres „Kennen Sie die Melodie?“. Der Pianist spielte sie kaum aus, streifte sie nur fast beiläufig im Zuge ausgedehnter Improvisationen. Kostproben seines Eklektizismus und seines Faibles für gewagte Medleys dürfte er auch heute Abend in petto haben, und dass etwas Französisches dabei ist, davon kann man wohl ausgehen.

Mit dabei sind zwei international gefragte Sidemen: der erst 23-jährige gebürtige Texaner Burniss Earl Travis II am Bass und der in Paris lebende kubanische Drummer und Perkussionist Lukmil Perez.

 

Berthold Klostermann

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