Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2018 Ausgewähltes Konzert
Mittwoch | 25. April 2018 | 20:00 Uhr
Düsseldorf | Robert-Schumann-Saal | Robert-Schumann-Saal
La Mer
Yaara Tal
Andreas Groethuysen

„Dass ein Musiker vom Rang des Herrn Gouvy in Paris noch so wenig bekannt ist, während Schwärme von Mücken das Publikum mit ihrem hartnäckigen Gesumm belästigen, das muss die naiven Geister verblüffen und empören, die noch an den Verstand und die Gerechtigkeit unserer musikalischen Sitten glauben." 1851 warf sich wortgewaltig kein Geringerer als Hector Berlioz für einen Kollegen in die Bresche - Louis Théodore Gouvy war sein Name. Und wie sich aus Berlioz´ Zeilen herauslesen lässt, hatte er mit seinen 32 Jahren in Paris noch immer nicht den ersehnten Durchbruch geschafft. Bis Gouvy endlich in seiner französischen Heimat die überfällige Anerkennung zuteilwurde, versuchte der aus der Nähe von Saarbrücken stammende Sohn einer lothringischen Mutter sein Glück in den deutschen Musikmetropolen. In Leipzig lernte er Liszt kennen, in Baden-Baden verlebte Gouvy schöne Sommertage mit Johannes Brahms und Clara Schumann. Später spielte er u.a. mit Camille Saint-Saëns vierhändig Klavier. 1898 verstarb Gouvy in Leipzig, und mit seinem Tod geriet sogleich sein beeindruckendes Schaffen in Vergessenheit. Für Klavier zu vier Händen hat Gouvy neben Variationen und Walzern gleich drei Sonaten komponiert, mit denen Yaara Tal & Andreas Groethuysen 1992 ihrem Gespür für Raritäten auch auf CD alle Ehre machten. Die jetzt zu hörende viersätzige Sonate in c-Moll op. 49 stammt aus dem Jahr 1865. „Humor und Charme in Gouvys Musik erscheinen uns als besonders charakteristisch“, so die beiden Musiker. „Gouvy verstand es meisterhaft, die Möglichkeiten des vierhändigen Klavierspiels virtuos und doch intim zu nutzen; dabei stellen Durchsichtigkeit und Polyphonie die Interpreten mitunter vor ähnliche Aufgaben wie etwa Kompositionen eines Mozart oder Schubert. Eine Frage bleibt für uns nach alldem ungeklärt: Wie kann so ein Komponist derartig in Vergessenheit geraten? Bei uns war es jedenfalls Liebe auf den ersten Blick!“

„In seinem unvergleichlichen Können und der Universalität seiner Mittel erinnert er an Mozart“, schrieb Alexander Glasunow 1901 bewundernd über seinen französischen Kollegen Camille Saint-Saëns. Und tatsächlich: in seinen 86 Lebensjahren hat er ein riesiges Œuvre komponiert, das nahezu alle Gattungen abdeckt. Doch er komponierte nicht nur fleißig, sondern organisierte mit der von ihm 1871 ins Leben gerufenen Société Nationale de Musique endlich auch ein Forum für die Werke französischer Komponisten. Wenngleich Saint-Saëns sich damit gegen die Dominanz von deutsch-österreichischen Komponisten im Pariser Konzertleben wandte, konnte er natürlich auch einen Beethoven nicht aus seinem musikalischen Kosmos streichen. Und so schrieb er 1874 eine Variationenreihe über das Thema des Trios aus dem Menuett-Satz von Beethovens Klaviersonate op. 31/3. Von ihrer Klangidentität her verraten die acht Variations sur un thème de Beethoven op. 35 im Grunde nichts von der Herkunft des französischen Komponisten. Was übrigens auch für die furiose Fuge sowie die Coda gilt, die nach einem Moment der Besinnung fulminant ausklingt.

 

Als Claude Debussy 1886 als Gewinner des Prix de Rome in der Heiligen Stadt lebte und arbeitete, bekam er im Januar hohen Besuch. Es war Franz Liszt, der gemeinsam mit seinem Schüler Giovanni Sgambati den jungen Franzosen mit Saint-Saëns‘ Variations sur un thème de Beethoven begeisterte. Und viel später, im Jahr 1915, erinnerte sich Debussy daran, wie unnachahmlich Liszt damals das Pedal geradezu atmend eingesetzt hat. Ein Jahr vorher, 1914, hatte Debussy ein Werk für Klavier zu vier Händen geschrieben, das auf eine die Antike beschwörende Bühnenmusik aus dem Jahr 1901 zurückging. Es waren die „Chansons de Bilitis“, die offiziell auf Gedichten der altgriechischen Lyrikerin Bilitis basierten - dahinter steckte aber Debussys Dichterfreund Pierre Louÿs. (Die „Chansons de Bilitis“ sind übrigens am 15. Mai 2018 beim Debussy-Liederabend auf Schloss Herten zu hören!) Unter dem Titel Six épigraphes antiques erschien jetzt das Klavierwerk, das aus sechs fein gewobenen Stücken und für die Ewigkeit gedachten impressionistischen Klangbrisen besteht. „Nicht mehr oder weniger exakte Reproduktion der Natur ist Bestimmung der Musik, vielmehr die geheimnisvolle Übereinstimmung von Natur und Imagination.“ Mit diesem Credo verabschiedete sich Claude Debussy endgültig von allen Versuchen der Programmmusik, die Natur so plastisch wie möglich darzustellen. Und mit La Mer komponierte er den Beweis, dass man etwa das reale Meer tatsächlich in den Mittelpunkt eines Werks stellen kann, ohne es naturalistisch abzubilden.

Drei Jahre lang hatte Claude Debussy an seinem 1905 uraufgeführten Orchesterwerk La Mer gearbeitet, das er im Untertitel mit „Esquisses symphoniques“ (Symphonische Skizzen) bezeichnete. Und auch wenn – wie im ersten Satz „Von der Morgendämmerung bis zum Mittag auf dem Meer“ – die Energie des Sonnenlichts sich immer stärker auszubreiten scheint, ist man kein Ohrenzeuge eines klingenden Naturschauspiels. Es sind eher suggestive Stimmungsbilder, die Debussy mit seinem einzigartigen Gespür für fließende Linien und klare Konturen auch beim „Spiel der Wogen“ und bei der „Zwiesprache von Wind und Meer“ auslöst. Dies trifft gleichermaßen für die Fassung zu, die der Debussy-Schüler André Caplet 1909 für zwei Klavier einrichtete.

Guido Fischer

Wir danken unserem Sponsor-Partner

Newsletter Anmeldung

Neuigkeiten zum Programm, zu einzelnen Konzerten, zu Festival-CDs oder allgemeine Infos vom Klavier-Festival Ruhr erhalten Sie schnell und direkt mit unserem Newsletter.

Abonnieren Sie den Newsletter

Social Media

Verfolgen Sie die Aktivitäten, Tipps und Neuigkeiten rund um das Festival und seine Künstler auch im Social Network.
Wir freuen uns auf Sie!

Facebook Twitter YouTube

Das Programm zum Blättern

Damit Sie auch in diesem Jahr unser Gesamtprogramm online bequem durchblättern können, klicken Sie bitte auf den nachfolgenden Link.

Gesamtprogramm

© 2019 Stiftung Klavier-Festival Ruhr  |  Alfred Herrhausen Haus  |  Brunnenstraße 8  |  45128 Essen

© 2019 Stiftung Klavier-Festival Ruhr
Alfred Herrhausen Haus
Brunnenstraße 8
45128 Essen

Kontakt

oneSheet Kontakt
Kontaktformular

Klavier-Festival Ruhr
Alfred Herrhausen Haus
Brunnenstraße 8
45128 Essen
Tel. +49 (0)201-89 66 80

Sie können uns Ihre Anfrage gerne per Kontaktformular senden.
Datenschutzerklärung   *
zukünftige Werbung:   
Ich bin damit einverstanden, dass das Klavier-Festival Ruhr Sponsoring und Service GmbH, Brunnenstraße 8, 45128 Essen, meine Daten auch verwendet, um mich künftig per E-Mail über Veranstaltungen des Klavier-Festivals Ruhr zu informieren. Meine Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z. B. per Brief an die o.g. Anschrift oder per E-Mail an info@klavierfestival.de oder telefonisch unter T. 0201/896680, ohne dass mir hierfür andere als die Übermittlungskosten nach den Basistarifen entstehen.
Tragen Sie hier bitte das Ergebnis der Rechenaufgabe ein!
captcha

Für eine Programmbestellung benötigen wir - neben den Pflichtfeldern (*) - auch Ihren Wohnort mit Straße, Ort und Länderangabe.