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Donnerstag | 19. April 2018 | 20:00 Uhr
Eröffnungskonzert
Pierre-Laurent Aimard
Preisträger des Klavier-Festivals Ruhr 2003
So klingt Debussy unerhört modern  

Einer der bedeutendsten Pianisten unserer Zeit barfuß und mit der roten Nase eines Clowns? So trat Pierre-Laurent Aimard wie üblich im legeren schwarzen Hemd zur Eröffnung des Klavierfestivals in der Duisburger Mercatorhalle aufs Podium.

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Einer der bedeutendsten Pianisten unserer Zeit barfuß und mit der roten Nase eines Clowns? So trat Pierre-Laurent Aimard wie üblich im legeren schwarzen Hemd zur Eröffnung des Klavierfestivals in der Duisburger Mercatorhalle aufs Podium.

Dem 60-jährigen Franzosen folgte eine identisch drapierte Rasselbande von Jungen und Mädchen der Duisburger Grundschule Sandstraße, um zu Claude Debussys aufgekratztem „Golliwogg’s cake walk“ mit einer so schlichten wie durchdachten Choreografie auf einen Abend im Geiste Debussys einzustimmen. Das war nicht nur ganz nach Art des erfrischend unprätentiösen Pianisten. Es war auch ein Hinweis auf das musische Engagement, mit dem das Klavierfestival seit immerhin zehn Jahren in Duisburg-Marxloh Kinder aus eher kulturfernen Familien für Musik begeistert.
Die Pappnase des Clowns legte Aimard ab für das Programm, mit dem er bei seinem 25. Festival-Auftritt dem sanften Revolutionär Debussy zum 100. Todestag huldigte. Aber das Gewitzte kennzeichnet sein analytisch klares, sensibles Spiel, das nie ins Sentimentale abdriftet. Ob Gian Francesco Malipiero in seinem lakonisch knappen, pentatonisch angehauchten Lento, Béla Bartók in seinem „sostenuto, rubato“ fernab gängiger Harmonien, Strawinsky in seinem Klavierarrangement eines Konzertfragments für Blasinstrumente oder der Debussy-Freund Paul Dukas in seiner avanciert chromatischen „Fernen Wehklage eines Fauns“ – sie alle entboten dem großen Komponisten zwei Jahre nach dessen Tod die Ehre.

Die Kostproben dienten Aimard als Einstimmung auf Debussys entrückte Klangsphären. Und die wirken unerhört modern, wenn dieser Pianist zwei der großen Sammlungen, die Klangbilder der „Images“ und die artistischen Etüden als letztes Werk mit solcher Brillanz, mit solch verfeinertem Gespür für die Magie dieser Musik und den Reichtum ihrer Farbvaleur umkreist wie an diesem Abend. Die schillernden Brechungen und Spiegelungen der „Reflets dans l’eau“ lässt Aimard schwebend schwingen. Nicht den archaischen Grundzug akzentuiert er in der „Hommage á Rameau“, sondern die Eleganz der Sarabande. In „Mouvement“ kehrt er die für Debussy so typische Auflösung der Form durch Verschleierung hervor. Erregende Momente entdeckt er in den Glockenschwingungen der „Cloches à travers les feuilles“. Die raffiniertesten Akkordketten breitet er mit einem Hauch Exotik in „Et la lune descend sur le temple qui fut“ aus. Und die „Poissons d’or“ bestechen durch gebändigte Vitalität.

Von der Parodie der Fünffinger-Übungen des Quälgeistes Cerny, bis zum flirrenden Achtfingerspiel, von erregter Chromatik über raffinierte Arabesken und subtile Tonwiederholungen bis zu spieltechnisch tückischen, von Aimard federnd leicht gemeisterten Akkordfolgen reichen die anspruchsvollen zwölf Etüden. Hier ist nicht Ungestüm gefragt sondern Tasten-Akrobatik bei höchster Verfeinerung des Ausdrucks. Den rasenden Beifall für einen der gewieftesten Debussy-Interpreten quittierte Aimard mit der „Cathédrale engloutie“, dem Zauber der „Versunkenen Kathedrale“ aus Debussys erstem Buch der „Préludes“.

Recklinghäuser Zeitung, Bernd Aulich

 
Pierre-Laurent Aimard eröffnet Klavier-Festival mit Debussy  

Das 30. Klavier-Festival Ruhr - das größte seiner Art - wird von Pierre-Laurent Aimard eröffnet. Er schenkte sich und dem Publikum nichts.

„Viva la France!“ Das Motto des diesjährigen Klavier-Festivals Ruhr markiert zwar den Themenschwerpunkt des bis...

 

Das 30. Klavier-Festival Ruhr - das größte seiner Art - wird von Pierre-Laurent Aimard eröffnet. Er schenkte sich und dem Publikum nichts.

„Viva la France!“ Das Motto des diesjährigen Klavier-Festivals Ruhr markiert zwar den Themenschwerpunkt des bis zum 13. Juli anhaltenden Konzertreigens, legt aber jeden pathetisch-chauvinistischen Beigeschmack ab, wenn der Akzent auf einem samtpfötigen Komponisten wie Claude Debussy liegt, an dessen 100. Todestag in diesem Jahr erinnert wird.

Und wenn ein Musiker wie Pierre-Laurent Aimard das Eröffnungskonzert in der ausverkauften Duisburger Mercatorhalle bestreitet, ist garantiert, dass er sich und dem Publikum nichts schenken wird. Im 30. Jahr des immer noch größten Festivals seiner Art sorgte Aimard jetzt bereits zum 25. Mal für ein Konzerterlebnis der besonderen Art. Und bevor er in Debussys Musik abstieg, überraschte er mit einem Schmankerl: Mit einer roten Clownsnase führte er 20 Kinder der Marxloher Grundschule Sandstraße an, die zu Debussys flottem „Golliwogg’s Cake Walk“ unter der tänzerischen Leitung von Petra Jebavy eine charmante Choreografie aufs Parkett legten. Damit erinnerte er an die Bedeutung der „Education-Projekte“, die zu den Herzstücken des Festivals gehören. Seit zehn Jahren werden sechs Schulen aus Duisburg-Marxloh in das Festival einbezogen. Hinzu kommen weitere Aktivitäten in Schulen und Kindergärten der Region.

Danach ging es erheblich ernster zur Sache. Zwei Jahre nach dem Tod Debussys bat die Zeitschrift „La Revue Musicale“ berühmte Komponisten um kleine klingende Memorials, die heute kaum noch zur Kenntnis genommen werden.

Aimard griff fünf dieser Beiträge auf. So unterschiedlich die vertretenen Persönlichkeiten wie Malipiero, Bartók, Strawinsky, Eugène Goossens und Paul Dukas auch geprägt waren, so sehr ähnelten sich die Miniaturen in ihrer Grundhaltung und Orientierung an harmonische und klangliche Merkmale Debussys. Es sind Entdeckungen, die eher auf dokumentarisches als auf künstlerisches Interesse stoßen dürften.

Debussy von seiner bekannten – und im Falle der beiden „Images“-Bände auch besten – Seite präsentierte Aimard in filigran ausgefeilter Perfektion und Schönheit. Die zarten Klanggemälde ließ er in einer etwas kühlen, emotional distanzierten Leuchtkraft erstehen, wobei er seine unerschöpfliche Anschlagspalette wirkungsvoll zur Geltung brachte. Gemäß Debussys Aufforderung „Vergesst die Hämmer im Klavier!“ entfaltete Aimard einen quasi entmaterialisierten Klang von erlesener Transparenz und Brillanz.

Fähigkeiten, die nach der Pause auch den „Douze Études“ zugutekamen: Spätwerke mit abstrakten Titeln, spröder gestrickt als die „Images“ oder „Préludes“. Die rhythmischen, harmonischen und melodischen Eigenschaften der debussy’schen Ästhetik sind in den zwölf anspruchsvollen Werken subtil eingearbeitet, freilich ohne die Kraft seiner bekannten Klangimpressionen erreichen zu wollen. Eine immense Herausforderung an die Konzentration von Künstler und Publikum, die Aimard bis zum letzten Ton reflektiert und mit blitzblank poliertem Anschlag bestand.

Begeisterter Beifall für eine der seltenen zyklischen Aufführungen der Sammlung, der nur wenige Pianisten so souverän gerecht werden wie Pierre-Laurent Aimard.

WAZ, Pedro Obiera

 
Pierre-Laurent Aimard spielte Debussy mit Clownsnase  

Am Anfang waren die Clowns: 20 schwarz gekleidete Grundschüler aus Duisburgs Problemviertel Marxloh umschwirrten am Donnerstag mit roten Nasen den Flügel auf der Bühne der Mercatorhalle.

Begleitet wurde ihre sehr rhythmische Choreografie von...

 

Am Anfang waren die Clowns: 20 schwarz gekleidete Grundschüler aus Duisburgs Problemviertel Marxloh umschwirrten am Donnerstag mit roten Nasen den Flügel auf der Bühne der Mercatorhalle.

Begleitet wurde ihre sehr rhythmische Choreografie von Starpianist Pierre-Laurent Aimard, der das witzige Debussy-Stück „Golliwogg’s Cake Walk“ spielte, ebenfalls mit Clownsnase.

Dieser besondere Auftakt des Klavier-Festivals Ruhr sollte betonen, dass man nicht nur das 30-jährige Bestehen des internationalen Klavierreigens, sondern auch zehn Jahre Education-Arbeit in Marxloh feiert.

Thomas Lange, Vorsitzender des Stiftungs- und Aufsichtsrats des Festivals, betonte bei seiner Begrüßung die menschenverbindende Rolle von Musik. Diese komme auch bei den Konzerten zum Ausdruck, die – 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg – unter dem Motto „Vive la France“ stehen.

Pierre-Laurent Aimard huldigte am Klavier dem 1918 verstorbenen Debussy als Schwerpunkt-Komponist des Festivals. Er tat dies mit einem sehr speziellen Programm, das als Festivaleröffnung bedingt geeignet schien. So startete er mit fünf kleinen, 1920 zum Andenken an Debussy komponierten Werken von Bartók bis Strawinsky. Die vergleichsweise Schwäche dieser kleinen Werke zeigte er auf, indem er im Anschluss – sehr viel gefühlvoller – die „Images“ von Debussy zelebrierte.

Die zweite Konzerthälfte gestaltete Aimard mit den zwölf, zwar pianistisch bedeutsamen, aber weniger populären späten Etüden Debussys. Auch da beeindruckte sein feines, impressionistisches Spiel, das diese Studien beseelte. Und zur Virtuosität kam eine manchmal witzige Präsentation. Chapeau!

Ruhrnachrichten, Klaus Stübler

 
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