lundi | 06. juin 2016 | 20:00 Uhr
Preis: € 55 | 45 | 25
Ausverkauft
Martin Stadtfeld

Bitte beachten Sie das geänderte Programm.

Klavier-Festival Ruhr an der Aa: Martin Stadtfeld reißt das Publikum in Münster mit Träumerei und gestreichelte Variationen  

(Westfälische Nachrichten, Arndt Zinkant, 07.06.2016)
Im Zentrum von Robert Schumanns „Kinderszenen“ steht die berühmte „Träumerei“. Diese schlichte Miniatur wirkte wie ein geheimes Motto von Martin Stadtfelds Auftritt in Münster. Und Stadtfeld wäre...

 

(Westfälische Nachrichten, Arndt Zinkant, 07.06.2016)
Im Zentrum von Robert Schumanns „Kinderszenen“ steht die berühmte „Träumerei“. Diese schlichte Miniatur wirkte wie ein geheimes Motto von Martin Stadtfelds Auftritt in Münster. Und Stadtfeld wäre nicht Stadtfeld, wenn er sie nicht ganz und gar zu seiner eigenen machen würde. Er phrasierte ungewohnt, beinahe beiläufig, aber doch zutiefst innig und versonnen. Träumerisch eben.

Es war am Montag der zweite ausverkaufte Abend, mit dem das Klavierfestival Ruhr seine Fühler nach Münster ausgestreckt hatte. Franz Xaver Ohnesorg, der Intendant des rein privat finanzierten Festivals, dankte der National-Bank als Sponsor und gab bekannt, dass es auch im nächsten Jahr sicher ein Konzert in Münster geben werde.

Und Stadtfeld, der Bach-Spezialist? Der oft eigenwillige Interpret hatte das extra für das Westfälische Landesmuseum konzipierte Programm sorgsam gewählt, mit Johann Sebastian Bach als Referenzpunkt. Auch Brahms handhabte seine Variationen (transkribiert aus dem Streichsextett op. 18) „bachisch“ wie eine Chaconne. Verblüffend, wie Stadtfeld das spielt: Bei ihm gibt es kein schweres Umherwuchten von Akkordblöcken; vielmehr streichelt er dies Stück mit sanftem Anschlag in die Nähe Chopins.

Würde Ähnliches auch bei Max Reger gelingen? Selbst bei den monumentalen „Variationen und Fuge über ein Thema von Johann Sebastian Bach“? Ja – denn Stadtfeld ist auch hier nicht gewillt, ein Monument aus dem Steinway hervorzuhämmern. Natürlich gibt es virtuose vollgriffige Passagen und Donnerbässe. Doch über weite Strecken begreift der Pianist das Stück als Exerzitium, streichelt eine Variation nach der andern, lauscht jeder hinterher, spinnt endlose Pianissimo-Girlanden, die er teils leise mitsummt. Das gemahnt ebenso an Glenn Gould wie sein niedriger Klavierhocker.

Immer noch kein „richtiger“ Bach? Beinahe. Die berühmte Chaconne aus der Violin-Partita Nr. 2 BWV 1004 haben einige Meister bearbeitet, darunter Schumann und Brahms. Stadtfeld spielt eine eigene Version. Die ist von romantischer Spielfreude, glitzerndem Virtuosen-Zierrat und Diskant-Blitzern.

Robert Schumanns Kinderszenen schließen sich nahtlos an. Martin Stadtfeld möchte hier keinen Applaus als Stimmungs-Zäsur. Er liefert keinen vitalen Zugriff, sondern eine einzige, im Legato schwelgende Träumerei, die zu dem ganz in sich gekehrten Musiker passt. Das Publikum war restlos begeistert.