Sunday | 19. June 2016 | 20:00 Uhr
Essen | Philharmonie Essen | Alfried Krupp Saal
Preis: € 75 | 65 | 55 | 45 | 25 | Stehplatz € 12
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Leif Ove Andsnes

Bitte beachten Sie das geänderte Programm!

Zwiespältiger Klavierfestival-Abend mit Pianist Andsnes  

(WAZ, Martin Schrahn, 20.06.2016)
Zwiespältiger Klavierfestival-Abend mit Pianist Andsnes

Priesterlich, weltverloren: Leif Ove  ndsnes umgab bei seinem Auftritt beim Klavierfestival eine spezielle Strenge. Der Abend zeigt Stärken und Rätsel. ...

 

(WAZ, Martin Schrahn, 20.06.2016)
Zwiespältiger Klavierfestival-Abend mit Pianist Andsnes

Priesterlich, weltverloren: Leif Ove  ndsnes umgab bei seinem Auftritt beim Klavierfestival eine spezielle Strenge. Der Abend zeigt Stärken und Rätsel.

Zuerst fällt die Strenge auf, die ihn umgibt. Passend dazu ein nur angedeutetes Lächeln, wenn Leif Ove Andsnes, der norwegische Pianist, sich verbeugt. Und am Klavier pflegt er die virtuose Askese. Ein wenig priesterlich wirkt er dann, weltverloren wie die Figuren in den Gemälden des Dänen Vilhelm Hammershøi.

Andsnes hat sich in den weiten Raum der Poesie zurückgezogen. In die Welt des Klangs, die sein Spiel beherrscht, sei es auch bisweilen auf Kosten klarer Strukturverläufe. Der nunmehr fünfte Auftritt dieses introvertierten Künstlers beim Klavierfestival Ruhr ist dementsprechend ein starkes Plädoyer für Debussys Etüden und Sibelius’ Miniaturen. Andsnes spielt technisch astrein aber zu sachlich.

Beethovens „Jagd-Sonate“ indes ist selten klar artikuliert, es fehlt an Binnenspannung, das Figurenwerk spult Andsnes so stoisch wie maschinenhaft ab. Klang umwölkt hier alle Widerborstigkeit und Lakonik des Komponisten. Auch mit der Chopin-Deutung des Pianisten wollen wir uns kaum anfreunden. Andsnes spielt technisch astrein, allerdings in einer nahezu sachlichen Manier. Chopins brillanter Stil kommt kaum zum Zuge, dramatische Momente in der 4. Ballade sind dem Poetischen allzu sehr untergeordnet.

Dabei streift der Pianist bei seinem Konzert am Sonntag in Essens Philharmonie zuweilen das Sentiment. Doch wie er in größter Ruhe die kleinen Stücke von Sibelius zelebriert, ist schon aller Ehren wert. Sanft gleiten die Arpeggien des 5. Impromptus durch den Raum, anderes entfaltet seinen erzählerischen Charakter, als spräche der Komponistendichter namens Schumann. Manches wiederum klingt ausgesprochen düster und schroff, von Andsnes wirkmächtig in Szene gesetzt.

Das zeigt, dass ihm Gestaltungskraft durchaus nicht fremd ist. Wenn er sie nur, wie auch bei drei Debussy-Etüden, als ein Poet des Klangs einsetzen kann. So fasziniert und irritiert Andsnes gleichermaßen – ein zwiespältiger, nicht ein verlorener Abend.