Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2016 Ausgewähltes Konzert
lundi | 13. juin 2016 | 20:00 Uhr
Düsseldorf | Robert-Schumann-Saal | Robert-Schumann-Saal
Preis: € 65 | 55 | 45 | 25
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Schon seit 17. November 2015 im Frühbucher-Angebot

Emanuel Ax (Klavier)
Werkeinführung

Viele der großen Sonaten von Ludwig van Beethoven sind unter ihren Beinamen bekannt geworden, etwa die „Waldsteinsonate“, „Mondscheinsonate“ oder „Appassionata“. Anders als bei diesen, die diese Attribute erst später bekamen, hat Beethoven die Sonate Nr. 8 in c-Moll op. 13 – komponiert zwischen 1797 und 1799 – selbst als „Grande Sonate pathétique“ bezeichnet. Viel ist darüber spekuliert worden, was er damit gemeint haben mag. War es etwa die Tonart c-Moll, die oftmals mit Adjektiven wie „traurig“, „wütend“ oder sogar „rasend“ in Verbindung gebracht wird? Doch wahrscheinlich war damit eher eine „erhabene Leidenschaft“ gemeint: Leidenschaft nicht als inniger Gefühlsausdruck, sondern als ein Lebensgefühl.

Besonders auffällig ist die Grave-Einleitung der Sonate. Es folgt ein Allegro di molto e con brio mit trommelwirbelartigen Bewegungen in der linken Hand. Im Adagio cantabile löst sich das spannungsvoll-dramatische Moment des Beginns in eine große Innigkeit auf. Nach dem sonoren Mittelsatz endet die Sonate in einem ruhelosen Rondo, das mit drei Zwischenspielen das Thema kontrapunktisch verarbeitet und seine ganze harmonische Reichhaltigkeit ausleuchtet.

Außergewöhnlich, einzigartig und unerreicht sind die Diabelli-Variationen op. 120 von Beethoven. Tatsächlich war die Variationsform für ihn eine ganz besondere Gattung. Innerhalb eines fest gefügten Rahmens den Variationsreichtum herauszukitzeln – für Beethoven hatte dies einen ganz eigenen Reiz. Bereits als Zwölfjähriger komponierte er in Bonn eine Reihe von Variationen über einen Marsch. Als er 1803 seine Sechs Variationen über ein Originalthema F-Dur op. 34 veröffentlichte, hatte er mehr als ein Dutzend Variationswerke geschrieben. An seinen Verleger schrieb er zu op. 34 und 35: „Da diese Variationen sich merklich von meinen früheren unterscheiden, so habe ich sie, anstatt wie die vorhergehenden nur mit einer Nummer (nämlich Nr. 1, 2, 3 usw.) anzuzeigen, unter die wirkliche Zahl meiner größeren musikalischen Werke aufgenommen, da auch die Themas von mir selbst sind.“

Anstatt ein populäres Thema oder eine bereits vorhandene Melodie als Grundlage zu wählen, beginnt Beethoven mit einem 22-taktigen Thema in F-Dur, welches in dreiteiliger Form geschrieben ist. Überraschend – und für damalige Verhältnisse neu – ist die Tatsache, dass die dann folgenden sechs Variationen alle in einer anderen Tonart stehen und damit jede für sich einen ganz eigenen Charakter in Form von Trauermarsch, Scherzo oder Menuett erhält. Nach der Schlussvariation erscheint das Thema noch einmal komplett mit reichen Ornamentierungen.

Dass Beethoven wütend werden konnte, ist bekannt – wie sehr, schildert eine Begebenheit, die der Musiker Ferdinand Ries in seinen biografischen Notizen festhielt. Drei Klaviersonaten hatte der Züricher Verleger Hans Georg Nägeli bestellt. Beethoven sagte ihm zu. Dies war nicht die beste Entscheidung, denn der Verleger komponierte einfach ein paar Takte hinzu. Ein Ärgernis, das den Komponisten regelrecht in Rage brachte – so berichtet Ries über die Sonate Nr. 16 in G-Dur op. 31/1: „Am Ende des ersten Allegros in der Sonate in G dur, hatte aber Nägeli sogar vier Takte hinein komponiert. Als ich dieses spielte, sprang Beethoven wütend auf, kam herbei gerannt und stieß mich halb vom Klavier, schreiend: ‚Wo steht das, zum Teufel?‘. Sein Erstaunen und seinen Zorn kann man sich kaum denken, als er es so gedruckt sah.“

Die später bei Nikolaus Simrock in Bonn veröffentlichte Neuausgabe der Sonate sollte Beethoven mit dem Titel „édition très correcte“ drucken lassen. Besonders wichtig war ihm dieses Werk, weil er sich vorgenommen hatte, in seinem Sonatenschaffen neue Weg zu gehen. Er greift formal auf Traditionelles zurück und öffnet sich selbst in gegebenen Strukturen Freiräume in Form von einem Spiel mit Tonarten und harmonischen Abläufen. Rhythmisch und kraftvoll ist der erste Satz mit einem prägnanten Hauptmotiv, das sowohl Hauptthema, Überleitung zum Seitenthema und Schluss der Exposition bestimmt. Es beherrscht auch den ersten Teil der Durchführung sowie die Rückführung vor dem Eintritt der Reprise – somit scheint es schier unerschöpflich. Serenadenhaft und von feiner Eleganz ist das Adagio grazioso. Der letzte Satz vereint Rondo Elemente von Sonatensatz und Variation – humorvoll – mit einer pointierten Coda und einem unkonventionellen Schluss.

Auffallend ist, dass sich unter den Widmungsträgern, denen Ludwig van Beethoven seine Werke zueignete, weit mehr adelige Gönner als Freunde finden. Dazu gab es Widmungen an Musikgesellschaften, Theater und Verleger. Oft erhoffte der Komponist sich eine finanzielle Unterstützung von den Widmungsträgern: Neben den 50 Dukaten, mit der die Widmungsträgerin der Polonaise op. 89 – keine Geringere als die Zarin von Russland – sich bedankte, erhielt Beethoven nachträglich 100 Dukaten für die Violinsonate op. 30, die er ihrem Mann, Zar Alexander I. gewidmet hatte. Dass er gerade eine Tanzform aus Polen wählte, jenem Land, das von Russland unterdrückt wurde, mag keine große Rolle gespielt haben, denn die Polonaise wurde noch zu Puschkins und Tschaikowskys Zeiten am Petersburger Hof gerne getanzt. Charakteristisch lässt Beethoven hier sowohl Rhythmik als auch Eleganz dieses Tanzes einfließen.

Im Vergleich zu allen anderen Sonaten Beethovens fällt die Sonate in f-Moll op. 57 aus dem Rahmen. Er selbst hielt diese Sonate zu diesem Zeitpunkt für seine „Größte“, berichtet Beethovens Schüler Carl Czerny. Ludwig van Beethoven komponierte sie zwischen 1804 und 1805 und widmete sie dem Grafen Franz von Brunswick, auf dessen Schloss er zu jener Zeit zu Gast war. Ein Jahr später hatte er das Autograph bei sich, als er kurz vor der Schlacht bei Jena seinen Freund Fürst Lichnowsky besuchte. Dort sollte er vor französischen Offizieren spielen, die der Fürst als Gäste im Haus  empfing. Mit der Notiz „Ich kann unmöglich vor dem Feinde meines Vaterlandes spielen“ verließ Beethoven das Palais. Auf dieser überstürzten Flucht wurden die Noten vom Regen durchnässt.

Spätestens seit ihr der Titel „Appassionata“ anhaftet, mit der Hamburger Verleger August Cranz das Werk etikettierte, gilt sie als „das leidenschaftlichste klassische Drama, das für Klavier komponiert wurde“, so der Kritiker Joachim Kaiser. Der Aufbau der Sonate folgt streng den Gesetzen der Sonatenform, auch wenn diese bis zum Äußersten ausgereizt werden. Alle Themen sind motivisch eng miteinander verzahnt. Ein rhythmisiertes Dreiklangs- und ein triolisches Viertelmotiv, meist verbunden mit einer fallenden kleinen Sekunde, sind die Eckpfeiler des ersten Satzes. Das Andante con moto erscheint mit einer sonoren hymnischen Melodie in vier Variationen und demonstriert den wirkungsvollen Wechsel von hohen und tiefen Registern. Unmittelbar schließt sich in scheinbar nie erlahmender Bewegung das Finale an, das von einer wellenförmigen Bassfigur dominiert wird. Eine langgestreckte Kadenz bringt die expressive Musik kurz zur Ruhe, der ein ausgedehntes hämmerndes Presto folgt und den furiosen aber versöhnlichen Schluss einleitet.
Anja Renczikowski

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