Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2016 Ausgewähltes Konzert
lundi | 25. avril 2016 | 20:00 Uhr
Preis: € 60 | 50 | 30 | 20
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The Pianos Trio
Werkeinführung

Die Universität Breslau verlieh Johannes Brahms im März 1879 die Ehrendoktorwürde, woraufhin er als Dank im Sommer 1880 in Bad Ischl die Akademische Festouvertüre op. 80 schrieb. Ihr Name war ursprünglich nur als Arbeitstitel gedacht, bürgerte sich jedoch fest ein, weil keine passendere Alternative gefunden wurde. Die Uraufführung des Werkes erfolgte am 4. Januar 1881 in Breslau unter Leitung des Komponisten. Die Ouvertüre zeichnet sich durch Zitate von vier verschiedenen Studentenliedern aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert aus, die Brahms dem 1861 erschienenen „Commers-Buch für den deutschen Studenten“ entnahm. Um mit Humor und musikalischer Intelligenz dem akademischen Anspruch gerecht zu werden, sind diese jedoch nicht als Potpourri aneinandergereiht, sondern kunstvoll in einen Sonatensatz eingearbeitet. Die drei Melodien Wir hatten gebauet ein stattliches Haus; Alles schweige! Hört ich sing das Lied der Lieder und Was kommt dort von der Höh prägen als Themen die Exposition sowie die Reprise. Auf einen größeren Durchführungsteil wird zugunsten von verarbeitenden Elementen und kontrapunktischen Finessen in der Reprise verzichtet. Höhepunkt der Ouvertüre ist zweifellos die Coda mit ihrem festlich strahlenden Zitat von Gaudeamus igitur und einer gewaltigen Schlussapotheose.

Als Claude Debussy Ende August 1903 unter dem Titel La Mer mit der Komposition von drei sinfonischen Skizzen begann, hielt er sich keineswegs am Meer auf, sondern mitten im Burgund. Dies stellte für ihn jedoch kein Problem dar, weil er seine Imagination für inspirierender hielt als die Realität: „Sie werden einwenden, dass der Ozean nicht gerade die burgundischen Hügel umspült! […] aber ich habe unzählige Erinnerungen; meiner Ansicht nach ist das mehr wert als eine Wirklichkeit …“ Debussys Vater hatte ursprünglich gehofft, dass sein Sohn eine Karriere als Seefahrer einschlagen würde. Dazu kam es zwar nicht, der Komponist fühlte sich aber sein Leben lang stark mit dem Meer verbunden.

Die Uraufführung des Werkes erfolgte am 15. Oktober 1905 und löste bei den Kritikern geteilte Meinungen aus. Besonders skeptisch äußerte sich Pierre Lalo mit den Worten: „Ich sehe kein Meer, ich höre kein Meer, ich fühle kein Meer.“ Trotz dieser verständnislosen Beurteilung ist La Mer unzweifelhaft ein Meisterstück mit ausdrucksvollen Details, grandiosen Harmonien, einer gelungenen formalen Konzeption sowie einer kunstvollen, innovativen Orchestrierung. Die beiden ersten Sätze „Von der Morgendämmerung bis zum Mittag auf dem Meer“ und „Spiel der Wogen“ übersetzen die Natur in Klänge und arbeiten mit freien Gestaltungsprinzipien. Das Finale „Zwiesprache von Wind und Meer“ folgt stärker den traditionellen musikalischen Strukturen. Es lebt vom Kontrast zwischen einem kraftvollen und einem lyrischen Thema sowie von deren Verbindung, Überlagerung und Durchdringung.

Die 1897 entstandene und im gleichen Jahr in Paris uraufgeführte sinfonische Dichtung L’Apprenti sorcier gilt als das meistgespielte Werk von Paul Dukas. Als Inspiration und Grundlage für das Werk diente Goethes populäre Ballade Der Zauberlehrling, die erstmals 1798 – also knapp 100 Jahre zuvor – in Schillers Musenalmanach erschienen war. Sie erzählt von einem Lehrling, der während der Abwesenheit seines Meisters selbst zu zaubern versucht und den Besen beauftragt, Wasser zu holen. Da er die Zauberformel vergessen hat, die den Spuk rückgängig machen könnte, spaltet er in seiner Verzweiflung den Besen mit einem Axthieb. Doch nun holen gleich zwei Dämonen unermüdlich immer neues Wasser herbei. Erst die Rückkehr des Hexenmeisters vermag dem Schrecken ein Ende zu bereiten. Der Verlauf der Ballade wird musikalisch detailliert nachgezeichnet. Der Introduktion schließt sich als Hauptteil ein Scherzo an, das sich in Tempo und Dynamik kontinuierlich steigert. Nachdem der Axthieb den Besen gespalten hat, folgt als musikalische Konsequenz eine Reprise, in der die Verdoppelung des Wasserholens auf geniale Weise durch einen Kanon dargestellt wird. Als das Hölleninferno seinen Höhepunkt erreicht hat, erscheint der Meister auf der Bildfläche und beendet den Spuk. Seine Meisterformel ist musikalisch fast – aber eben nur fast! – identisch mit der zu Beginn erklingenden Lehrlingsformel. Mit vier kräftigen Schlägen wird die sinfonische Dichtung, die wie alle Bearbeitungen des heutigen Abends in der Fassung für drei Klaviere von Carlo Maria Griguoli zu hören ist, zum Abschluss gebracht.

Der italienische Komponist, Musiker und Schriftsteller Carlo Boccadoro wurde 1963 in Macerata geboren und studierte am Konservatorium in Mailand Klavier, Schlagzeug sowie Komposition. Mit Musiktheater-, Orchester- und Kammermusikwerken hat er sich in den letzten Jahren international einen Namen gemacht.  Das Stück Vaalbara für drei Klaviere entstand als Auftragskomposition für das Festival „Progretto Martha Argerich“ in Locarno und wurde am 25. Juni 2013 durch das Ensemble The Pianos Trio uraufgeführt. Der Titel leitet sich von einem gleichnamigen versunkenen Kontinent ab, der vor etwa 2,7 bis 2,5 Milliarden Jahren auf der Erde existiert haben könnte. Die Musik weckt durch Tremoli, Triller und virtuose Läufe Assoziationen an Donnergrollen und kraftvolle geologische Aktivität. Aus dem sorgfältig inszenierten „Chaos“ erhebt sich immer wieder eine markante Tonfolge. Im Mittelteil nimmt die Musik an Lebhaftigkeit zu und ist durch scharfe Artikulationen und markante Rhythmen charakterisiert.

Im Herbst 1957 begann Dmitri Schostakowitsch die Operette Moscow-Cheryomushki op. 105 zu schreiben und wehrte sich gegen die Skepsis der Fachwelt mit dem Argument, dass „ein ernsthafter Komponist seine Kräfte in jedem Fach erproben sollte. An populären Kompositionen ist nichts Schlechtes und erst recht nichts Gefährliches. Auch Mozart und Beethoven haben leichte Stücke geschrieben, und niemand verübelt es ihnen.“ Aufgrund der heiteren und einprägsamen Musik erfreute sich das Werk nach seiner Moskauer Uraufführung am 24. Januar 1959 schnell großer Beliebtheit. Die Operette verdankt ihren Namen der Trabantensiedlung Cheryomushki (= „Traubenkirsche“), die 1956 im Südwesten Moskaus errichtet wurde und als Vorzeigeobjekt des modernen Wohnungsbaus galt. Schostakowitsch und seine Librettisten Wladimir Mass und Mickhail Tscherwinski nehmen in dem sozialkritischen Bühnenwerk falsche Propaganda, Baumängel, Korruption, Funktionärsgehabe und Neid aufs Korn. Musikalisch lebt das Stück von zahlreichen Zitaten, darunter beliebte Melodien der russischen Komponisten Glinka, Borodin und Tschaikowsky sowie der auch im Westen sehr populäre Estrada-Schlager „Moskauer Nächte“. Schostakowitsch greift aber auch eigene Melodien aus früheren Kompositionen auf, u. a. seine bekannteste Liedschöpfung „Dem kühlen Morgen“ entgegen.
Das Ensemble The Pianos Trio präsentiert in einem mitreißenden Arrangement eine Auswahl der insgesamt 39 Musiknummern.
Andreas Susanne Opielka

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