Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2016 Ausgewähltes Konzert
Sunday | 19. June 2016 | 20:00 Uhr
Essen | Philharmonie Essen | Alfried Krupp Saal
Preis: € 75 | 65 | 55 | 45 | 25 | Stehplatz € 12
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Leif Ove Andsnes

Bitte beachten Sie das geänderte Programm!

Werkeinführung

Von Jean Sibelius ist die Anmerkung überliefert, dass das Klavier im Grunde ein wenig zufriedenstellendes Instrument sei. Und wie er an anderer Stelle einmal klarstellte, habe er lediglich Klavierwerke geschrieben, um sich damit etwas hinzu zu verdienen. Von seinen insgesamt 120 Opusnummern sind immerhin 20 dem Klavier gewidmet. Rund 120 Einzelstücke verteilen sich auf Zyklen und Sammlungen. Der (finanziell wohl ertragreiche) Output des Klavierkomponisten Sibelius kann sich also sehen lassen.

Trotzdem sollte es lange dauern, bis sich endlich auch bedeutende Pianisten mit den Werken auseinandersetzten. Einen wichtigen Anteil an der Renaissance dieses Klavierwerks hatte rückblickend der kanadische Jahrhundertpianist Glenn Gould. 1977 hielt er in Ton und Wort ein Plädoyer für Sibelius. So schrieb Gould im Begleittext zu seiner Schallplatteneinspielung: „Sibelius schrieb nie gegen das Wesen des Klaviers. Er war imstande, einen bedeutenden Beitrag für das viel zu begrenzte Klavierrepertoire des spätromantischen Zeitalters zu schaffen.“

Als Beleg dafür widmete Gould sich den drei Sonatinen von Sibelius sowie den jetzt auf dem Programm stehenden, drei lyrischen Stücken „Kyllikki“ op. 41. 1904 entstand diese Suite, die ganz im Geiste der finnischen Volkspoesie steht. Auch wenn Sibelius es stets geleugnet hat, dass das Werk etwas mit dem Volksmärchen von Lemminkäinen und der von ihm entführten Braut Kyllikki zu tun habe, spricht allein der Titel dagegen. Und was für ein feiner Stimmungsmaler war der Klavierkomponist Sibelius! So ist der langsame Satz eines dieser gedankenverlorenen Nocturne-Wunder, die ganz ohne literarische Bezüge faszinieren.

Als ebenfalls einnehmende, weil seelenvolle Charakterstücke erweisen sich zudem die 1914 komponierten „Fünf Stücke“ op. 75, mit denen Sibelius fünf Baumarten wie „Birke“ und „Fichte“ eine kleine musikalische Reverenz erwies. Und mit den „Fünf Skizzen“ op. 114 verabschiedete sich der Komponist 1929 offiziell vom Klavier – wobei diese Sammlung erst knapp zwanzig Jahre nach dem Tod von Sibelius erstmals veröffentlicht werden sollte.

Nach diesen Klangvignetten, die Sibelius Mutter Natur abgelauscht hat, verweilt das Programm des heutigen Konzerts mit Ludwig van Beethoven in gewisser Weise noch etwas im Freien. Immerhin hat er im Finalsatz der Sonate Nr. 18 in Es-Dur op. 31 / 3 für die zehn Pianistenfinger eine regelrecht wilde Treibjagd komponiert, bei der es im „Presto con fuoco“ unablässig über Stock und Stein und durch unwegsames Gelände geht. Kein Wunder, dass dieses ausgelassene Furioso im Sechsachtelakt auch als „Jagdsonate“ bezeichnet wird. Dieses Werk gehört zu dem dreifachen Sonaten-Paukenschlag op. 31, mit dem Beethoven 1801/02 eine künstlerische Krise glänzend überwinden sollte. Was für eine Aufbruchstimmung in dieser Es-Dur-Sonate steckt, lässt Beethoven den Zuhörer auch im zweiten Satz spüren. An die Stelle eines konventionellen Andantes oder Adagios hat er jetzt ein Scherzo hingeworfen, in dem Beethovens skurriler Humor mehr als einmal aufblitzt!

Auch Claude Debussy durchlitt wie Kollege Beethoven gelegentlich Krisen, aus denen er sich zum Glück herausschreiben konnte. So geschehen im Jahr 1915, als der Franzose mit Fleiß zurück ins Musikleben fand. Die Ergebnisse waren so vielseitig wie wegweisend: neben „En blanc en noir“ für zwei Klaviere sowie der Cellosonate schrieb Debussy die „Douze Études“, die er Frédéric Chopin widmete.

Schon in jungen Jahren hatte er den Polen bewundert. Und während Debussy 1915 nun an einer Ausgabe sämtlicher Klavierwerke von Chopin arbeitete, beschäftigte er sich mit jener Klavierform, die der Romantiker mit seinen berühmten Etüden-Heften opp. 10 & 25 revolutioniert hatte. Was den manuellen Schwierigkeitsgrad angeht, treiben Debussys Etüden jedem Pianisten die Schweißtropfen auf die Stirn. Zugleich versetzen die drei ausgewählten Etüden mit ihrem kompositorischen Material, mit ihren Farbenspielen und atmosphärischen Reizen den Hörer in maßloses Staunen.

Vor dieser Chopin-Hommage erklingt eine ganz andere Debussy-Welt. So löste er in seinem Klavierstück „Soirée dans Grenade“, das aus dem Zyklus „Estampes“ (1903) stammt, Assoziationen an das spanische Volksinstrument, die Gitarre aus. Und wenngleich Debussy Spanien nur ein einziges Mal und dies für wenige Stunden bereist hatte, zog der Spanier Manuel de Falla vor diesem Werk den Hut: „Es grenzt ans Wunderbare, wenn man bedenkt, dass diese Musik von einem Fremden geschrieben wurde, den allein die Vision seines Genies leitete.“

„Hut ab, ihr Herren, ein Genie“ – mit diesem Imperativ hatte sich bekanntermaßen Robert Schumann 1836 in einer Besprechung vor Frédéric Chopin verbeugt. Ein Jahr später stellte Heinrich Heine schließlich fest: „Er strebt nach einem besseren Lorbeer. Seine Finger sind nur Diener seiner Seele, und diese wird applaudiert von Leuten, die nicht bloß mit den Ohren hören, sondern auch mit der Seele.“

Wenngleich Chopin lediglich 39 Jahre alt werden sollte, hat er doch ein gewaltiges Klavierwerk hinterlassen. Die von dem Iren John Field erfundene Form des Nocturne brachte er zur vollen Blüte, indem er diese Miniaturen mit zärtlicher Kantabilität und erregender Leidenschaft veredelte. Im Chopin-Portfolio finden sich zudem Klaviersonaten, hochvirtuose Etüden sowie vier gehaltvolle Impromptus. Außerdem übertrug er erstmals die bis dahin lediglich als Gesangsstück verbreitete Balladenform auf das Klavier. Wie Chopin einmal gegenüber Schumann geäußert hat, waren es die Volksballaden des polnischen Dichters Adam Mickiewicz, die ihn dazu inspiriert hatten. Die rhapsodische Ballade Nr. 4 in f-Moll op. 52 geht auf die Sage von den drei Brüdern Budry und ihren Bräuten zurück, die nicht nur zärtlich miteinander umgehen. Dementsprechend wird man Ohrenzeuge eines klangepischen Mini-Dramas, in dem es sanft und sehnsuchtvoll, aber auch vehement und tragisch zugeht.
Guido Fischer

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