Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2016 Ausgewähltes Konzert
Tuesday | 07. June 2016 | 20:00 Uhr
Preis: € 60 | 50 | 30 | 20
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Igor Levit
Markus Becker
Werkeinführung

Als der von Arnold Schönberg gegründete „Verein für musikalische Privataufführungen“ im Dezember 1918 seine erste Konzertsaison plante, standen natürlich Werke jüngeren und jüngsten Datums auf den Programmen. Angefangen bei Anton Webern über Claude Debussy bis Igor Strawinsky und Béla Bartók. Und ein besonderes Komponistenporträt hatte man im Kleinen Musikvereinssaal zu Wien für den 23. März 1919 anberaumt. Schönberg und seine Freunde luden zu einem reinen Max Reger-Abend ein. Zu hören gab es neben der Klarinetten- und der Violoncello-Sonate auch die heute zu hörende „Introduktion, Passacaglia und Fuge“ op. 96, die noch zwei weitere Male in der Debüt-Saison dieser legendären Konzertreihe gegeben wurde.

Dass Reger postum überhaupt zu einem der meistaufgeführten Komponisten in diesem illustren Neue Musik-Zirkel wurde, mag auf den ersten Blick überraschend sein. Denn noch zu seinen Lebzeiten galt Reger nicht unbedingt als ein Komponist, der sich den neuen Klang-Konzepten verpflichtet gefühlt hätte. Im Gegenteil: Kaum hatte Reger etwa die bahnbrechenden „Drei Klavierstücke“ op. 11 von Schönberg gehört, schrieb er: „Ob so was noch irgend mit dem Namen ‚Musik‘ versehen werden kann, weiß ich nicht: mein Hirn ist dazu wirklich zu veraltet!“ Doch für die Protagonisten um die Zweite Wiener Schule war Reger eben mehr als nur ein ausdrucksstarker Komponist. Während Schönberg den Kollegen gar ein „Genie“ nannte, konkretisierte Alban Berg 1924 die schöpferischen Meriten Regers noch etwas genauer: „Als einzige Ausnahme (neben Schönberg) bevorzugt er ziemlich freie, und, wie er selbst sagt, an Prosa gemahnende Konstruktionen.“

Die harmonisch reiche, dabei oftmals auf eine asymmetrische Melodiegestaltung setzende Klangsprache bildete aber nicht nur das einzige Band zwischen Reger und Schönberg. Für beide war Johannes Brahms ein wegweisender Fixstern für das eigene Schaffen. Vor allem Reger ließ keine Gelegenheit aus, um seiner glühenden Verehrung Ausdruck zu verleihen. Eine geplante Symphonie wollte Reger dem Vorbild Brahms widmen. Und quer durch sein riesiges Kammermusikschaffen, angefangen von der Violinsonate op. 1 bis zum Klarinettenquintett op. 146, finden sich zahlreiche melodisch-motivische Anspielungen an Brahms. Ganz in dessen Geiste widmete sich Reger aber auch der Variationsform und hob sie auf ein enorm anspruchsvolles Niveau. Davon zeugen die „Variationen und Fuge über eine Thema von Beethoven“ op. 86.

Das Ausgangsmaterial für dieses 1904 während eines Ferienaufenthaltes am Starnberger See entstandene Werk bildet Beethovens Klavier-Bagatelle op. 119 Nr. 11. Doch statt das Thema  nun konventionell durch die 12 Variationen zu geleiten, zerlegt Reger es in seine rhythmischen und harmonischen Bestandteile und reflektiert über diese mal lyrisch intim, mal leidenschaftlich bewegt. Nur gelegentlich tauchen winzige Themenfetzen als Erinnerungssplitter auf. In der abschließenden, fulminant sich steigernden Fuge ist das Beethoven-Thema aber dann wieder allgegenwärtig. Die Münchner Uraufführung der Beethoven-Variationen, an der Reger am 22. Oktober 1904 mitwirkte, wurde enthusiastisch aufgenommen. „Ich hatte so gegen 20 – 25 Hervorrufe“, so Reger später, der das Werk bis zu seinem Tod an die 150 Mal spielte und zudem 1915 für Orchester einrichtete.

Zu einem publikumswirksamen Stück entwickelte sich ebenfalls Regers „Introduktion, Passacaglia und Fuge“ op. 96 nach der Kölner Weltpremiere 1906. So gastierte er unmittelbar darauf mit dem Werk in St. Petersburg, wo er es zusammen mit dem legendären Pianisten Alexander Siloti und in Anwesenheit des damals erst 15-jährigen Serge Prokofjew spielte. Dass Reger ein großartiger Pianist gewesen ist, kann man angesichts der Höchstschwierigkeiten, mit denen dieses gewaltige Opus gespickt ist, sehr gut nachvollziehen. Ständig werden neue Energieschübe freigesetzt und Ostinato-Kräfte entfaltet. Zudem sprengt Reger in der Passacaglia das standardisierte Tonalitätsgefüge, indem er hier bis auf den Ton ‚dis‘ sämtliche Töne der Zwölftonskala verwendet. Um was für einen riesigen Organismus es sich aber überhaupt hierbei handelt, hat gerade erst die Reger-Forscherin Susanne Popp in ihrer druckfrischen Biographie zum Ausdruck gebracht: „Ein dichtes motivisches Beziehungsgeflecht verklammert nicht nur die Passacaglia und Fuge, sondern auch die phantasieartige Introduktion, wobei Motivabwandlungen mit kontrapunktischen Mitteln wie Umkehrung und Krebs gewonnen werden.“

Für sein bekanntestes Variationswerk griff Max Reger 1914 auf einen regelrechten Mozart-Ohrwurm zurück. Es ist das Thema aus dem „Andante grazioso“ aus Mozarts Klaviersonate A-Dur V 331, aus dem Reger die „Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart op. 132“ für Orchester schuf. Als der Komponist sie am 08. Januar 1915 am Dirigentenpult des Wiesbadener Kurorchesters aus der Taufe hob, wurde er dafür mit „stürmischen Huldigungen“ belohnt.

Das Mozart-Thema war natürlich auch ihm schon seit der Kindheit vertraut. Immerhin hatte der 13-jährige die Sonate im Klavierunterricht gespielt. Im Jahr 1914 begab er sich also jetzt mit acht Variationen auf ein auch formal bestens vertrautes Terrain und krönte die Komposition mit einer beeindruckenden Doppelfuge. Im Entstehungsjahr überarbeitete Reger erstaunlicherweise die Orchesterfassung direkt zu einem „famosen Concertstück für zwei Klaviere“. Da ihm jedoch die 8. Variation wenig geeignet für die schwarzen und weißen Tasten erschien, ersetzte er diese durch eine neue. Und weil Schönbergs „Verein für musikalische Privataufführungen“ später sämtliche Variationswerke von Reger aufführen sollte, kamen auch die Mozart-Variationen in er Klavierfassung zu ihren Ehren – erstmals am 09. April 1920.
Guido Fischer

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