Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2016 Ausgewähltes Konzert
Montag | 06. Juni 2016 | 20:00 Uhr
Preis: € 55 | 45 | 25
Ausverkauft
Martin Stadtfeld

Bitte beachten Sie das geänderte Programm.

Werkeinführung

Von November 1859 bis Sommer 1860 arbeitete Johannes Brahms an der Komposition seines ersten Streichsextetts op. 18. Vermutlich wandte er sich statt dem klassischen Quartett dieser eher außergewöhnlichen Besetzungen, weil er hier die drückende Last der Tradition weniger spürte. Zeitgleich bearbeitete er den langsamen Satz des Werkes für Klavier solo und schenkte ihn Clara Schumann am 13. September zu ihrem 41. Geburtstag.

Dieses Arrangement gehörte später zu Brahms‘ liebsten Vortragsstücken in privaten und öffentlichen Konzerten. Es besteht aus einem Thema mit Variationen im Chaconne-Stil über einem stets gleichbleibenden Bass. Die ernste Grundstimmung, die düstere Tonart d-Moll und der feierlich-liedhafte Ton wecken Assoziationen an Schuberts großartiges Streichquartett Der Tod und das Mädchen. Kunstvoll verbindet Brahms das Prinzip der Figuralvariation mit der dreiteiligen Liedform, schafft effektvolle Wechsel zwischen Moll und Dur und sorgt durch kompositorischen Einfallsreichtum für Spannung und Abwechslung. Der markante Quartauftakt a-d kann als vertontes „ade“ interpretiert werden und somit als Abschiedsbotschaft an Agathe von Siebold, mit der Brahms 1858 / 59 eine kurze, aber intensive Liebesbeziehung geführt hatte.

Während Max Reger seine monumentalen Variationen und Fuge über ein Thema von Johann Sebastian Bach op. 81 schrieb, betrachtete er sie bereits als „ein kolossales Werk“. Nach der Vollendung hielt er sie sogar für „das Beste, was ich bis jetzt geschrieben habe, ich glaube damit ein ganz verteufeltes Stück Musik geschrieben zu haben“. Tatsächlich zeugt die im Sommer 1904 entstandene Komposition von schöpferischer Genialität sowie formaler Meisterschaft und trug nicht unerheblich zu Regers Ruhm bei.

Die gewaltigen Dimensionen seiner Orgelwerke werden hier erstmals auf die Klangskala des Klaviers übertragen, wobei an wenigen Stellen die Grenzen des pianistisch Machbaren erreicht werden. Die spieltechnischen Anforderungen sind so hoch, dass der Komponist das Werk trotz seines hervorragenden pianistischen Könnens nie selbst in der Öffentlichkeit spielte. Die Uraufführung in München übernahm der Widmungsträger August Schmidt-Lindner, der sich als Klavierprofessor leidenschaftlich für Regers Musik einsetzte.

Als Thema für die insgesamt 14 Variationen diente die obligate Oboenstimme aus Bachs Duett „Sein‘ Allmacht zu ergründen“ aus der Kantate zu Christi Himmelfahrt BWV 128. Geschickte Kolorierungen, dynamische Steigerungen, kunstvolle Figurationen, improvisiert wirkende Abschnitte, bravouröse Virtuosität, rasante Läufe und dazu kontrastierende versonnene Ruhepunkte machen das Werk zu einem Kaleidoskop an Ausdrucksmöglichkeiten. Die abschließende Doppelfuge greift einzelne Motive des Bach-Themas auf und mündet in eine dynamisch bis ins Äußerste gesteigerte Coda.

1720 vollendete Johann Sebastian Bach einen Zyklus mit insgesamt sechs Sonaten und Partiten für Violine solo, die wohl als Studienwerke gedacht waren. Als berühmtestes Stück dieser Werkgruppe gilt die monumentale, 256 Takte umfassende Chaconne aus der Partita in d-Moll BWV 1004. Mit schier unerschöpflichem figurativem und melodischem Einfallsreichtum entfalten sich 64 viertaktige Variationen über einem gleichbleibenden Bass. Mehrstimmiges akkordisches und polyphones Spiel, Arpeggien, rhythmische Raffinessen und virtuose Passagen machen die Chaconne zu einer großen Herausforderung für jeden Violinisten.

Robert Schumann fügte ihr eine Klavierbegleitung hinzu und bezeichnete sie als „eines der wunderbarsten, unbegreiflichsten Musikstücke“, das von „tiefsten Gedanken und gewaltigsten Empfindungen“ durchdrungen ist. Namhafte Komponisten wie Johannes Brahms und Ferruccio Busoni bearbeiteten den Variationensatz für Klavier.

Bachspezialist Martin Stadtfeld wird jedoch nicht auf eine dieser vorhandenen Klavierfassungen zurückgreifen, sondern sein eigenes Arrangement präsentieren.

„An die dreißig kleine putzige Dinger“ schrieb Robert Schumann 1838 innerhalb kurzer Zeit und publizierte anschließend eine Auswahl davon als Kinderszenen op. 15. Bei den insgesamt 13 Miniaturen handelt es sich um musikalische Erinnerungen an eine zurückliegende Kindheit, oder – wie der Komponist es selbst ausdrückte – um „Rückspiegelungen eines Älteren und für Ältere“. Die Stücke dürfen also nicht als kindgerechte, vermeintlich leichte Werke missverstanden werden. Trotzdem gehörten sie schon zu Lebzeiten Schumanns zu seinen meist verkauften Kompositionen und erfreuen sich auch heute noch außerordentlicher Beliebtheit.

Seine spätere Gattin, die damals 19-jährige Clara Wieck, hatte eine große Vorliebe für die Miniaturen. „Wem hast Du denn Deine Kinderscenen gewidmet? Nicht wahr, nicht wahr, die gehören nur uns Beiden, und sie gehen mir nicht aus dem Sinn“, bekannte sie ganz offen. Die knapp gefassten musikalischen Momentaufnahmen sind oft in dreiteiliger Liedform konzipiert und konzentrieren sich auf die Darstellung eines einzigen Gedankens. Obwohl die Überschriften erst nach Vollendung des Zyklus hinzugefügt wurden, besteht eine starke Kongruenz zwischen dem jeweiligen Titel und der Musik. Mit ihren schlichten harmonischen Phrasen, ihrer subtilen Harmonik und ihrer bildhaften Plastik entführen die Stücke den Hörer in das Paradies der Kindheit.

Die Reise in die Welt der Erinnerung beginnt mit der kleinen Komposition „Von fremden Ländern und Menschen“, in deren Mittelpunkt die Sehnsüchte nach fernen Welten und Zeiten stehen. In den folgenden Szenen wird mit einfachen, aber sehr wirkungsvollen Mitteln ein hohes Maß an Verzauberung erreicht. Vor dem inneren Auge entstehen verklärte Bilder von winterlicher Behaglichkeit am Kamin, vorbeihuschenden bösen Geistern oder einem friedlich schlummernden Kind. Zum Schluss erfolgt die Rückkehr in die Realität, nur noch der Dichter hat das Wort, nichts als ein Hauch an Seligkeit bleibt zurück.
Andrea Susanne Opielka

Newsletter Anmeldung

Neuigkeiten zum Programm, zu einzelnen Konzerten, zu Festival-CDs oder allgemeine Infos vom Klavier-Festival Ruhr erhalten Sie schnell und direkt mit unserem Newsletter.

Abonnieren Sie den Newsletter

Social Media

Verfolgen Sie die Aktivitäten, Tipps und Neuigkeiten rund um das Festival und seine Künstler auch im Social Network.
Wir freuen uns auf Sie!

Facebook Twitter YouTube

Das Programm zum Blättern

Damit Sie auch in diesem Jahr unser Gesamtprogramm online bequem durchblättern können, klicken Sie bitte auf den nachfolgenden Link.

Gesamtprogramm

© 2019 Stiftung Klavier-Festival Ruhr  |  Alfred Herrhausen Haus  |  Brunnenstraße 8  |  45128 Essen

© 2019 Stiftung Klavier-Festival Ruhr
Alfred Herrhausen Haus
Brunnenstraße 8
45128 Essen

Kontakt

oneSheet Kontakt
Kontaktformular

Klavier-Festival Ruhr
Alfred Herrhausen Haus
Brunnenstraße 8
45128 Essen
Tel. +49 (0)201-89 66 80

Sie können uns Ihre Anfrage gerne per Kontaktformular senden.
Datenschutzerklärung   *
zukünftige Werbung:   
Ich bin damit einverstanden, dass das Klavier-Festival Ruhr Sponsoring und Service GmbH, Brunnenstraße 8, 45128 Essen, meine Daten auch verwendet, um mich künftig per E-Mail über Veranstaltungen des Klavier-Festivals Ruhr zu informieren. Meine Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z. B. per Brief an die o.g. Anschrift oder per E-Mail an info@klavierfestival.de oder telefonisch unter T. 0201/896680, ohne dass mir hierfür andere als die Übermittlungskosten nach den Basistarifen entstehen.
Tragen Sie hier bitte das Ergebnis der Rechenaufgabe ein!
captcha

Für eine Programmbestellung benötigen wir - neben den Pflichtfeldern (*) - auch Ihren Wohnort mit Straße, Ort und Länderangabe.