Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2016 Ausgewähltes Konzert
Dienstag | 19. April 2016 | 20:00 Uhr
Essen | Philharmonie Essen | Alfried Krupp Saal
Preis: € 135 | 120 | 95 | 75 | 40 (keine Ermäßigungen und Rabatte)
Ausverkauft

Schon seit 17. November 2015 im Frühbucher-Angebot

Lang Lang
Werkeinführung

Jeder kennt Peter Iljitsch Tschaikowskys b-Moll-Klavierkonzert. Aber es muss ja nicht immer der von Oktaven-Kaskaden aufgewirbelte Virtuosen-Schaum sein, wenn sein Name im Zusammenhang mit der Klaviermusik fällt. Reizvoll und von der Substanz her reichhaltig hat Tschaikowsky schließlich gleichermaßen für Klavier solo komponiert. Neben einer „Grande Sonate“ stehen da vor allem Werkzyklen zu Buche, die so gar nicht mit diesem Feuerwerk daherkommen, das Tschaikowsky in seinen Konzerten gezündet hat. Vielmehr zeigt er sich auch in der Sammlung „Die Jahreszeiten“ op. 37b als ausgesprochener Klavierpoet. Die Umstände ihrer Entstehung und damit ihrer Veröffentlichung sind durchaus außergewöhnlich. Denn statt für einen befreundeten Pianisten schrieb Tschaikowsky diesen aus zwölf Charakterstücken bestehenden Zyklus für die Leser der St. Petersburger Musik- und Theater-Zeitschrift „Nuvellist“ und damit für anonyme Klavieramateure. Ab der Januar-Ausgabe des Jahrgang 1876 dieser monatlich erscheinenden Zeitschrift lag fortan jedem Heft ein Klavierstück von Tschaikowsky bei. Und im Dezember gab der Verleger schließlich alle bis dahin erschienenen Piècen als Zyklus unter dem Titel „Jahreszeiten“ heraus. Im Grunde aber müsste das Werk „Zwölf Monate“ heißen. Denn jedes Stück trägt den Erscheinungsmonat als Titel, der zudem noch mit einem Untertitel sowie mit einem Begleitvers von russischen Dichterfürsten wie Puschkin und Tolstoi versehen wurde. Und nicht selten fühlt man sich trotz des bisweilen unverkennbar russischen Melos an die verträumten Klangwelten eines Chopin und Schumann erinnert.

Zeit seines produktiven Lebens war Johann Sebastian Bach ein enorm hellhöriger Zeitgenosse, der auf Anhieb das registrierte und verarbeitete, was aus den Musikhochburgen Frankreich und insbesondere Italien importiert wurde. So setzte er sich schon früh produktiv mit dem italienischen „Concerto“-Typus auseinander, indem er Konzerte von Vivaldi oder Marcello für die Orgel oder das Cembalo bearbeitete. Höhepunkt und Quintessenz dieser Beschäftigung sollte schließlich das „Italienische Konzert“ in F-Dur BWV 971 für Cembalo werden, das 1735 im Zweiten Teil von Bachs „Clavierübung“ Platz fand. Denn in diesem dreisätzigen Konzert imitiert Bach natürlich nicht einfach den italienischen Gusto. Die durchaus als südländisch zu bezeichnende Leichtigkeit und Kantabilität speziell im langsamen Satz werden einer motivisch-thematischen Arbeit unterzogen, die ganz Bachs Handschrift trägt. Den Intellekt und das Herz sprechen aber gleichermaßen die beiden Ecksätze unmittelbar an – dank ihres mitreißenden Schwungs und unbekümmerten, aber gehaltvollen Esprits.

Am 26. Februar 1832 befand sich das musikalische Paris in höchster Aufregung. Gespannt fieberte man dem Debüt eines polnischen Pianisten entgegen, von dem man sich wahre Wunderdinge erzählte. An jenem Abend betrat Frédéric Chopin die Salle Pleyel und präsentierte u. a. eines seiner Klavierkonzerte in einer Kammermusikfassung. Tout Paris war danach aus dem Häuschen. Und selbst der gefürchtete Kritiker François-Joseph Fétis geriet ins Schwärmen. Genau solche Reaktionen hatte sich Chopin erhofft, als er im September 1831 in Paris eintraf. Denn kurz zuvor, ausgerechnet bei seinem zweiten Aufenthalt in Wien, der zweiten europäischen Musikmetropole ab dem Herbst 1830, hatte man eher reserviert sein Spiel und seine Kompositionen aufgenommen.

Bevor Chopin aber Paris erobern sollte, harrte er nun im winterlichen Wien aus – und reagierte erschüttert auf die Nachrichten aus seiner polnischen Heimat. So musste er im November 1830 lesen, dass der revolutionäre Aufstand gegen die russische Besatzung gescheitert und blutig niedergeschlagen worden war. „Wenn ich könnte, würde ich alle Töne in Bewegung setzen, die mir vom blinden, wütenden, entfesselten Gefühl eingegeben werden“, notierte ein verzweifelter Chopin. In dieser Stimmung setzte sich Chopin an die Komposition seines ersten von insgesamt vier Scherzi. Und im Gegensatz zu dem Gattungstitel, der Humor und Witz suggeriert, infizierte er das Scherzo in h-Moll op. 20 mit einer nie versiegenden Spannungsgeladenheit und aufbrausenden Wildheit. Kein Wunder, dass ein englischer Verleger 1835 diesem Scherzo den zugkräftigen Titel „Le Banquet infernal“ gab. Keinesfalls infernalisch schaurig geht es hingegen im Mittelteil zu. Im Gegenteil. Chopin greift hier auf die Melodie des polnischen Weihnachtsliedes „Lulazje Jezuniu“ (Schlafe, liebes Jesulein) zurück, um sich in der Ferne etwas heimisch zu fühlen. Schließlich war es das erste Weihnachten, das er nicht Zuhause verbrachte.

Erst 1837 sollte Chopin dann sein 2. Scherzo in b-Moll op. 31 schreiben, das vom Verleger die leicht irreführende Überschrift „La Méditation“ bekam. Wenngleich Chopin dieses mit knapp 800 Takten großdimensionierte Scherzo mit einer Dramatik einläutet, die ihn an ein Totenhaus erinnerte, so befindet sich das Werk in einem ständigen Wechselbad der Stimmungen. Mal gibt sich das Scherzo dämonisch düster und explosiv kraftvoll. Dann wieder klart der Himmel auf und es erklingen selige, aber auch beschwingte Kantilenen.

Auf Mallorca und im französischen Nohant, dem Landsitz seiner Angebeten George Sand, schrieb Chopin 1838/39 das Scherzo Nr. 3 in cis-Moll op. 39. Auch sein katastrophaler Gesundheitszustand, der sich im rauen mallorquinischen Winterklima noch verschlimmerte, scheint in diesem schroffen, klippenreichen, nur von einem Choral einmal zur Ruhe gebrachten Werk seine Spuren hinterlassen zu haben. 1842 entstand schließlich in Nohant das Scherzo Nr. 4 in E-Dur op. 54. Es ist  das einzige Scherzo in einer Dur-Tonart. Und angesichts der Klarheit, des Idyllischen und auch der Fröhlichkeit schien Chopin in jener Zeit das Leben endlich wieder genießen zu können.
Guido Fischer

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