Tuesday | 06. June 2017 | 20:00 Uhr
Preis: € 36 | 24 | 18
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The Americas: Sonata
Ya-Fei Chuang
Robert Levin
Diese Musik ist komplex, sperrig und virtuos  

Ohne Noten geht hier nichts. Zumindest als Orientierungshilfe müssen sie den Pianisten Ya-Fei Chuang und Robert Levin dienen, als Wegweiser durch höchst komplexe, sperrige, teils äußerst virtuose und polyphone Musik. Ihr Auftritt beim Klavierfestival...

 

Ohne Noten geht hier nichts. Zumindest als Orientierungshilfe müssen sie den Pianisten Ya-Fei Chuang und Robert Levin dienen, als Wegweiser durch höchst komplexe, sperrige, teils äußerst virtuose und polyphone Musik. Ihr Auftritt beim Klavierfestival Ruhr mit Werken weithin unbekannter amerikanischer Komponisten am Dienstag im Kulturzentrum August Everding ist eine Herausforderung. Für die Interpreten und erst recht fürs Publikum.

Denn Hand aufs Herz: Namen wie Yehudi Wyner, John Harbison, Earl Wild und Harold Shapero dürften wohl nur Spezialisten etwas sagen. Und die Musik, allesamt geschrieben im 20. Jahrhundert, ist avantgardistisch genug, um zu irritieren, trotz mancher Anklänge an barocke Formen, neoklassische Stilistik oder an Jazz und Tanzmusik.

Immerhin: Pianist Robert Levin, selbst Amerikaner, darf als intimer Kenner der Materie gelten. Den vier Komponisten ist er freundschaftlich verbunden, manches Stück des Programms wurde sogar für ihn komponiert. Nicht selten fehlt den Kompositionen des Abends die griffige Form, manches kreiselt beständig um sich selbst. Kaum etwas ist beseelt, das meiste stattdessen ziemlich akademisch. Entsprechend analytisch ist Levins Interpretation.

Mehr Sensibilität spüren wir, wenn der Pianist gemeinsam mit seiner Frau Ya-Fei Chuang die Sonate vierhändig von Harold Shapero spielt. Das Stück ist teils eng an Strawinskys Neoklassizismus orientiert, scheut nicht die Melancholie und gibt sich dem Jazz hin. Eine durchaus interessante Mischung.

Chuang wiederum entpuppt sich als kundige Interpretin der Musik Earl Wildes. Dessen „Sonata 2000“ mag wie ein Konstrukt wirken, sie gewinnt aber durch virtuose Attacken im Stile Liszts an Dramatik.

Doch einmal an diesem Abend, da klingt’s wunderhübsch sentimental und überaus interessant. George Gershwins Song „Someone to Watch Over Me“ ist pianistische Schmeichelei.

WAZ, Martin Schrahn

 
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