Tuesday | 11. July 2017 | 20:00 Uhr

In Kooperation mit der Stiftung Zollverein

The Americas: For Two Pianos
Maki Namekawa
Preisträgerin des Klavier-Festivals Ruhr 2017
Dennis Russell Davies
Preisträger des Klavier-Festivals Ruhr 2017
Quer über den Atlantik geblickt  

Einen Blick quer über den Atlantik auf die amerikanische Musikwelt hat das Klavierfestival Ruhr wiederholt riskiert. Dort gibt es einiges an pianistischen Glanzstücken zu entdecken. Und Festival-Intendant Franz Xaver Ohnesorg ist dem Musikleben der...

 

Einen Blick quer über den Atlantik auf die amerikanische Musikwelt hat das Klavierfestival Ruhr wiederholt riskiert. Dort gibt es einiges an pianistischen Glanzstücken zu entdecken. Und Festival-Intendant Franz Xaver Ohnesorg ist dem Musikleben der Vereinigten Staaten eng verbunden, seit er Ende der Neunziger in New York die Carnegie Hall geleitet hat.
In diesem Jahr markiert amerikanische Musik den Themenschwerpunkt dieses Festivals. Nicht beschränkt auf die USA, sondern mit erweitertem Blick auf Lateinamerika. Es mag ein Zufall sein, dass sich das Programm für zwei Klaviere, mit dem der amerikanische Dirigent und Pianist Dennis Russell Davies und die Japanerin Maki Namekawa auf Zeche Zollverein aufwarteten, auf nordamerikanische Komponisten beschränkte. Lateinamerikanische Anklänge zitierte es nur folkloristisch.
Mexiko bot den USA in den Dreißigern keinen Anlass, eine Mauer zu errichten, um sich abzuschotten. Aaron Copland ließ sich 1937 durch den Besuch eines mexikanischen Tanzklubs zu einem hübschen Orchesterpotpourri inspirieren. Sein berühmtester Schüler, Leonhard Bernstein, hat es für zwei Klaviere arrangiert. Die raffiniert übereinander geschichteten volkstümlichen mexikanischen Tänze arbeiteten Namekawa und Davies animierend heiter und wohlakzentuiert voller Ohrwurm-Qualitäten heraus.
Bernsteins im selben Jahr entstandene Music for Two Pianos, das Werk eines 19-Jährigen, kokettiert synkopenreich und unbefangen mit  populärer Musik. Wer Bernsteins Musical „On the Town“ kennt, wird einiges aus dieser frühen Talentprobe wiedererkennen im „Dream Ballet“ wie im Song „Real Coney Island“.
Ein extrem komplexes Gegenstück dazu bot William Bolcoms Sonata for Two Pianos von 1993. Hier arbeiteten Davies und Namekawa mit Bravour die magischen Momente des Schülers der beiden Franzosen Darius Milhaud und Olivier Messiaen heraus. Als recht harmlos für den Musikrevolutionär Henry Cowell erwies sich dessen durch irische Folklore geprägter Celtic Set for Two Pianos. Als genuin amerikanisch in der Repetition schlichter melodischer Partikel erwies sich hingegen John Adams‘ „Hallelujah Junction“ von 2008. Das Duo spielte es ohne die von Philip Glass bekannte Strenge und deren narkotisierende Wirkung, immer wieder neu ansetzend und dadurch leicht zerfasernd.

Recklinghäuser Zeitung, Bernd Aulich

 
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