Tuesday | 20. June 2017 | 20:00 Uhr
JazzLine
"American Songbook"
Olaf Polziehn Trio
Olaf Polziehn (Piano)
John Goldsby (Bass)
Hans Dekker (Drums)

Setlist:

Beautiful Friendship (Kahn)
So In Love (Porter)
Jitterbug Waltz (Waller)
In The Wee Small Hours Of The Morning
Liza (Gershwin)
Dinah (Akst)

This Nearly Was Mine (Rodgers)
But Not For Me (Gershwin)
If I Only Had A Brain (Arlen)
Rockin Chair (Carmichael)
Strike Up The Band (Gershwin)
April In Paris (Duke)
She Was To Good For Me (Rodgers)

Werkeinführung - JazzLine

Olaf Polziehn ist ein klasse Pianist. (Bob Mintzer)

Ich schätze und bewundere ihn. Ein toller Spieler. (Monty Alexander)

Gerade die Besten ihres Fachs sind voll des Lobes über Olaf Polziehn: Saxophonist Bob Mintzer, lange Mitglied der Fusion-Band Yellowjackets und seit letztem Jahr Chefdirigent der WDR Big Band Köln, oder Monty Alexander, der temperamentvolle Piano-Star aus Jamaika, der beim Klavier-Festival Ruhr schon manches mitreißende Konzert abgeliefert hat. „Olaf schöpft aus der Tradition.“, erläutert Mintzer. „Er führt die Musik in spannende, neue Gefilde, und das stets mit feinem Sinn für Stil und Geschmack. Er lässt jeden in der Band gut klingen, ist ein großartiger Dialogpartner und entlockt dem Klavier einen schönen, warmen Sound. Kurz: Er hat alles, was einen großen Pianisten ausmacht.“ Und Alexander ergänzt: „Olaf verfügt über hervorragende Klaviertechnik und einen wunderbaren Anschlag.“ Der Jamaikaner, der einst als würdiger Erbe Oscar Petersons gehandelt wurde, muss es ja wissen.

Mit Peterson und Alexander teilt Olaf Polziehn zunächst die Vorliebe für den Bassisten Ray Brown, der den virtuosen improvisatorischen Höhenflügen der beiden Tastengiganten jahrelang die verlässliche Bodenhaftung garantierte. „Einer meiner Lieblingsmusiker überhaupt“, so Polziehn über Brown. Namentlich mit Peterson, aber auch mit moderneren Pianisten wie Bill Evans oder Keith Jarrett verbindet den Deutschen sein Faible für das „Great American Songbook“. Was Vorbilder betrifft, kennt er zugleich klare Präferenzen: „Eigentlich liebe ich Keith Jarrett am meisten. Es war bei mir schon immer so, dass ich Melodien hören will. Und es muss swingen. Das kann in einem offenen Trio-Kontext sein wie beim Bill Evans Trio, beim Keith Jarrett Trio oder auch beim Erroll Garner Trio. Sie alle haben das, und darum geht es mir auch. Ich versuche von allem, was mir gefällt, etwas rauszupicken und in meiner Sprache zu verarbeiten.“ Damit ist er einer der ganz wenigen europäischen Pianisten seiner Generation und seines Formats, die sich so eingehend mit dem amerikanischen Standard-Repertoire befassen. Doch wie kaum ein anderer findet er darin auch zu unverwechselbarem, persönlichem Ausdruck. Vertraute Melodien und Harmonien sind unter seinen Händen nicht unbedingt leicht wiederzuerkennen, so sehr verändert Polziehn das musikalische Material und passt es seiner Interpretation eines Songs an. „Die Leute merken, ob in der Musik Energie fließt und ob diese auf sie überspringt.“, sagt er. „Energie und Melodik sind das Entscheidende.“

Mit dieser Maxime spielte Polziehn sich an die Spitze des swingenden, modernen Mainstream und gilt heute in dieser Stilistik als einer der wenigen echten Allrounder im Lande. 1970 in Ludwigsburg geboren und in Freiberg am Neckar aufgewachsen, studierte er in Köln bei John Taylor und Frank Chastenier, dem Pianisten der WDR Big Band Köln. 1992 gründete er sein Klaviertrio mit dem Bassisten Ingmar Heller und im Laufe der Jahre wechselnden Drummern, darunter Hans Dekker, der auch am heutigen Abend dabei ist. Daneben war er von 1992 bis 1995 Mitglied des Bundesjazzorchesters (BuJazzO). Seit 2002 erweitert er sein Trio schon mal um namhafte Solisten zum Quartett, etwa die New Yorker Tenorsaxophonisten Harry Allen und Scott Hamilton oder den Trompeter Leroy Jones aus New Orleans, mit dem er auch zwei seiner American Songbook-CDs einspielte. Ein weiteres Trioalbum widmete er dem Gründer des legendären deutschen Labels MPS, Hans Georg Brunner-Schwer (A Tribute to HGBS, 2006), überdies gehört er dem Frankfurt Jazz Trio und der Band von Schauspielerin Jasmin Tabatabai an. Beim Klavier-Festival Ruhr war Polziehn, seit 2009 Professor für Jazzklavier an der Kunstuniversität Graz, bereits vier Mal zu erleben, u.a. 2011 mit der Sängerin Patti Austin und als „Piano Friend“ von Till Brönner. Beim heutigen Konzert wird er vom langjährigen Rhythmusgespann der WDR Big Band Köln unterstützt, dem amerikanischen Kontrabassisten John Goldsby und dem holländischen Drummer Hans Dekker.

Berthold Klostermann

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