The Americas: Rhapsody in Blue
Denis Matsuev
Steven Sloane (Dirigent)
Bochumer Symphoniker
Andrey Ivanov (bass)
Alexander Zinger (drums)

Zum Klavier-Festival Ruhr kommt Matsuev mit einem Programm, das ganz auf das Jahresmotto „The Americas“ abgestellt ist: Komponisten aus Nord- und Mittelamerika mit Werken, die amerikanische Folk- und Populärtraditionen aufgreifen. Unter ihnen ist George Gershwins Rhapsody in Blue das bekannteste. Matsuev spielte den jazzinspirierten Klassiker schon mit seinem Jazztrio, aber auch mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks oder den New Yorker Philharmonikern. Bei Orchesteraufführungen stützt er sich auf das Originalarrangement von Ferde Grofé, der das Stück 1924 für die Uraufführung durch Paul Whiteman and His Orchestra bearbeitete, reichert seinen Solopart aber um weitere improvisatorische Momente an. Mit Andrey Ivanov und Alexander Zinger verfügt er über eine blendend eingespielte Rhythm-Section, die in der Rhapsody in Blue und womöglich im einen oder anderen Jazz-Standard zum Einsatz kommen wird.

Mit Gershwins Cuban Overture geht es in den Latin-Teil des Abends. Gershwin schrieb dieses „Tone poem“ 1932, nach zweiwöchigem Aufenthalt in Kuba, und verarbeitete darin kubanische Rhythmen, Themen und Motive (z.B. „La paloma“). Eigentlich für Bläser, Streicher und Latin Percussion konzipiert, wurde der Partitur nach Gershwins Tod noch eine rhythmische Klavierstimme beigefügt.

Aaron Copland, einer der „amerikanischsten“ unter den US-amerikanischen Komponisten, hatte seine jazzinspirierte Phase hinter sich, als er 1936 El salón México fertigstellte. In dem einsätzigen Werk zeigt er Mexiko als fiktiven Tanzpalast, in dem Oberschicht, Arbeiter und Bauern durch Tänze von abgestufter rhythmischer Vitalität repräsentiert sind. In die Komposition sind mexikanische Folksongs integriert, die Copland als Notenfassungen vorlagen. Sie ist für Orchester geschrieben, doch schon bald nach der Premiere erstellte Leonard Bernstein Bearbeitungen, Arturo Toscanini eine Transkription für Klavier.

In einen Tanzsaal führt auch das Orchesterstück Danzón No. 2 des Mexikaners Arturo Márquez (Jahrgang 1950), eines der meistgespielten Werke zeitgenössischer mexikanischer Musik, seit Gustavo Dudamel und das Simón Bolívar Youth Orchestra of Venezuela es 2007 in Europa und Amerika vorstellten. Darin greift Márquez Stilmittel des kubanischen „Danzón“ auf, der auch in der Folklore des mexikanischen Bundesstaat Veracruz Spuren hinterließ. Zu dem Stück entstand 2009 ein Kurzfilm, der im Milieu eines Tanzsalons der 1940er Jahre spielt; Márquez selbst gibt darin den Salonpianisten.

Berthold Klostermann

Wir danken unserem Sponsor-Partner