Wednesday | 18. January 2017 | 20:00 Uhr
Preis: € 30


Klavier-Festival Ruhr EXTRA - In Kooperation mit den Bochumer Symphonikern
Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“ / Dichterliebe
Christoph Prégardien (Tenor)
Hartmut Höll
Großer Liederabend mit Christoph Prégardien  

Unübertroffen ist doch das Kunstlied! Mit unwahrscheinlicher Unmittelbarkeit rührt diese gesungene Poesie – wenn sie gut ist – den Zuhörer auf literarischer und musikalischer Ebene. Ein komplexe Wechselbeziehung, die meistens eine der Künste...

 

Unübertroffen ist doch das Kunstlied! Mit unwahrscheinlicher Unmittelbarkeit rührt diese gesungene Poesie – wenn sie gut ist – den Zuhörer auf literarischer und musikalischer Ebene. Ein komplexe Wechselbeziehung, die meistens eine der Künste bevorteilt.

Der Liederabend des Star-Tenors Christoph Prégardien im Anneliese Brost Musikforum reichte von volksliedhafter Beschaulichkeit bis zu philosophischer Tiefe. Einen glasklaren stimmlichen Kern traf Prégardien in Joseph Suders „Urlicht“: Das war ein vertonter Ausdruck von Innerlichkeit! Diesen Moment absoluter Entrücktheit gestaltete der Sänger mit relativ wenig Vibrato; diese Interpretation hatte etwas sehr Modernes. Prégardiens warmes, relativ dunkles Timbre bei den Brahms- und Schumann-Liedern ließ die gefühlte Temperatur ansteigen, glockig klang seine Stimme im Forte.

Und wenn es mal dick aufgetragen ist wie in Schumanns „Marienwürmchen setze dich auf meine Hand, ich tu’ dir nichts zu leide“? Dann nimmt er diesen Überschwang des Biedermeier-Kleinods mit in die Stimme und gibt sich ganz und gar entzückt und verspielt. Als ein großer Interpret sieht Christoph Prégardien das Werk zuerst, dann sich selbst.

Nina Schröder
WAZ, 20.01.2017