Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2017 Ausgewähltes Konzert
Monday | 17. July 2017 | 20:00 Uhr
'Eroica'
Joseph Moog

„Ich habe bey launigster stunde ein ganz neues Capriccio für das fortepiano verfasst, welches wegen geschmack, seltenheit, besonderer ausarbeitung ganz gewiss von Kennern und Nichtkennern mit allem beyfall muss aufgenohmen werden. Es ist … etwas lang, aber gar nicht zu schwer.“ Aus diesem Brief, den Joseph Haydn im März 1789 an seinen Verleger schrieb, geht hervor, worauf es ihm ankommt: Geschmack, künstlerische Wertigkeit und einen hohen Unterhaltungsfaktor.

Das „Capriccio“, von dem Haydn schriebt, ist die Fantasie in C-Dur Hob. XVII, 4. Die Formulierung „gar nicht zu schwer“ ist ein wenig untertrieben. Denn das Werk, das auf das österreichische Volkslied „Do Bäuren hat d’Katz valor’n“ zurückgeht, hat durchaus vertrackte Stellen. Es lebt von seiner klugen Virtuosität und von einigen orchestralen Effekten, etwa bei den markanten Hornsignalen. Bei den vielen Trugschlüssen erweist sich Haydn als Meister der An-Täuschungen: Der Hörer erwartet eine bestimmte Tonart – und es folgt etwas völlig Unerwartetes. Das ist Haydn pur.

Edward MacDowell war gebürtiger New Yorker. Er studierte zunächst bei Teresa Carreño, einer venezolanischen Schülerin Anton Rubinsteins, bevor er nach Europa kam und zuerst in Paris, dann in Wiesbaden seine Studien fortsetzte. 1888 kehrte MacDowell in die USA zurück und leitete dort acht Jahre lang das Boston Symphony Orchestra. Joseph Moog schreibt für sein Konzert beim Klavier-Festival Ruhr über MacDowells Musik und seine Sonate Nr. 2 'Eroica' op. 50: „Interessant ist die Wirkung der äußerst unterschiedlichen Einflüsse auf seine Tonsprache, die meiner Meinung nach am ehesten Anklänge von Grieg und Liszt erkennen lassen. Abgesehen davon ist die Musik MacDowells sehr eigenständig und dramaturgisch schlüssig, auch besaß er ein feines Gespür für die Proportionen und Dimensionen seiner Werke, was ein oft unterschätztes Kriterium für den späteren Erfolg von Komponisten ist. Seine zweite Klaviersonate mit dem Beinamen ‚Eroica‘ ist voll von musikalischen Charakteren verschiedenster Ausprägung. Ganz im Sinne des romantischen Gestus finden sich hier heroische, feinsinnig-lyrische, mysteriöse und vor allem auch dramatische Elemente. Der Komponist hat das dreisätzige Werk mit etlichen in englischer Sprache verfassten Interpretationsanweisungen versehen, die ein außermusikalisches Programm hinter der Komposition erkennen lassen. Die Vertonungen zahlreicher Dichtungen deutscher Lyriker wie Heine oder Goethe und die damit verbundene leidenschaftliche Lektüre einer umfassenden Literatur haben offensichtlich MacDowells große Fantasie beflügelt. Für mich handelt es sich bei ihm sozusagen um den Mark Twain des pianistischen Repertoires, denn neben einer gewissen optischen Ähnlichkeit sind interdisziplinär vor allen Dingen der Einfallsreichtum und die meisterhafte Ausformung von Details bei beiden zu finden.“

Bella Italia – für viele Künstler bot das Land unwiderstehliche Anreize, auch für Franz Liszt. In Italien wurde seine zweite Tochter geboren, Cosima, die spätere Frau Wagner; und in Rom hat er später geheiratet, Carolyne zu Sayn-Wittgenstein. Sein erster Italien-Aufenthalt dauerte rund zwei Jahre. Damals reiste er noch mit der Gräfin d’Agoult an seiner Seite. In dieser Zeit, wohl im Jahr 1838, vertonte Liszt, angeregt durch die Dichtungen Petrarcas, drei Sonette, die er für hohe Gesangsstimme und Klavier setzte. Danach erst sind die Klavier-Bearbeitungen der Sonetti del Petrarca entstanden, wobei Liszt die Reihenfolge des ersten und des zweiten Liedes umkehrte. Doch damit war die komplizierte Entstehungsgeschichte noch nicht zu Ende. 1855 hat Liszt seine Transkriptionen für das zweite Jahr der Années de pèlerinage erneut überarbeitet, 1861 schließlich folgte eine Fassung der originalen Lieder für tiefe Gesangsstimme – allerdings in der nun etablierten Reihenfolge. Wer die Version der Années de pèlerinage kennt, wird die Unterschiede zu den frühen Klavierversionen leicht erkennen, die Joseph Moog heute spielt, vor allem die lange Einleitung zum zweiten Stück in der ersten Fassung.

Das Material für Liszts Ungarische Rhapsodien ist nur insofern authentisch, als es auf Melodien von einfachen Zigeuner-Kapellen und ungarischen Amateuren basiert. Um „originale“ Volksmusik im Sinne Bartóks handelt es sich jedoch nicht. Doch hat dieser Umstand irgendetwas an der Popularität dieser Rhapsodien geändert? Natürlich nicht. Für Liszt barg der Begriff Rhapsodie viel von Improvisation, von Freiheit der Gestaltung und von phantastischem Erzählton. Ihm ging es darum, ein Kaleidoskop von Gefühlszuständen aufs Klavier zu übertragen: „Trauer, Kummer, Leiden, Gefühlstiefe, Erhabenheit, trotziger Stolz, Anmut, Verträumtheit, ernsthafte Wichtigkeit, Verspieltheit, Melancholie, Überdruss – all das zieht hier vorüber.“ Von den insgesamt 19 Ungarischen Rhapsodien sind die ersten 15 bereits in den Jahren bis 1853 entstanden, die restlichen vier folgten erst in den 1880er Jahren. Natürlich begegnen wir in diesen Stücken immer wieder ähnlich gearbeiteten Effekten, vergleichbaren Abläufen. In seinem Buch „Die Zigeuner und ihre Musik“ in Ungarn schreibt Liszt, er habe die „bisherigen Fragmente […] revidiert, umgeschmolzen und mit anderen in der Absicht verbunden, das Wesentliche derselben zu einem Körper zusammenzufassen, der so gekittet ein Werk darböte, das ungefähr mit dem korrespondiert, was, wie wir uns erlaubt haben zu glauben, als ein Zigeuneropus zu betrachten ist.“ Die Ungarische Rhapsodie Nr. 12 in cis-Moll verarbeitet acht Themen – und ist damit die motivisch vielschichtigste aller Rhapsodien, doch ein simples Potpourri ist sie deshalb nicht. Schon in der Einleitung verarbeitet Liszt zwei Themen, die aus einem Csárdás von Rószavölgyi stammen. Ausgerechnet die markante Melodie im ‚Allegro zingarese‘ lässt sich ihrer Herkunft nach nicht genau klären. Liszt verarbeitet diese Themen nach allen Regeln seiner damaligen Kunst, er stattet sie mit viel Prunk aus und verbindet sie teils durch leise Triller. Kurz vor Ende greift er drei Themen nochmals auf und bezeugt auf diese Weise auch formal eine gewisse Virtuosität.

Christoph Vratz

 

Das American Songbook ist eine Sammlung von Bearbeitungen, Transkriptionen und Improvisationen über amerikanische Songs, unter denen sich sehr populäre Standards, aber auch unbekanntere Melodien finden. Es ist eine sehr persönliche Annäherung an die Kunst der Übertragung von Vokalmusik auf das Klavier und im weitesten Sinne eine Huldigung an die Faszination des Jazz. Als klassischer Künstler möchte ich mich nicht mit den Größen dieses Genres messen oder gar die Welt des Cross-Over betreten. Es ist vielmehr der Versuch, einige meiner Improvisationen festzuhalten – mit den bekannten Melodien als einer Art musikalisches ‚Bett‘ – und darüber hinaus die Vielseitigkeit und die weit gespannten harmonischen Möglichkeiten dieser Melodien zu zeigen. Viele der Stücke habe ich über Jahre hinweg in meinem musikalischen Tagebuch skizziert und somit eine Niederschrift dessen versucht, was in freien und kreativen Stunden zwischen dem Üben und der Vorbereitung der Konzerte entstanden ist. Noch ist nicht klar, wie viele Stücke das Songbook später einmal enthalten wird. Insofern handelt es sich derzeit noch um das Buch eines fahrenden Gesellen oder auch eines modernen Minnesängers auf dem Klavier.

Joseph Moog

 

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