Das Programm Archiv Konzert-Archiv 2017 Ausgewähltes Konzert
Sunday | 18. June 2017 | 20:00 Uhr

Achtung: Terminänderung!

Wir bitten um Verständnis dafür, dass das Preisträgerkonzert 2 aufgrund anderweitiger Verpflichtungen des Künstlers von Fr., 16.6.2017 auf So., 18.6.2017 verlegt werden musste.

Bereits erworbene Karten behalten ihre Gültigkeit, können aber auch an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden, an denen sie gekauft wurden.

Die Besten der Besten
Preisträgerkonzert 2
Szymon Nehring
1. Preisträger der 15. Arthur Rubinstein International Piano Master Competition 2017
Werkeinführung - Preisträgerkonzert 2

Der kleine Amadeus hat als Wunderkind den Adel an den europäischen Höfen mit seinem Klavierspiel in Erstaunen versetzt, dem erwachsenen Wolfgang Amadeus Mozart eilte bald nicht nur als Komponist, sondern auch als Pianist ein hervorragender Ruf voraus. Graf Andrei Rasumowski, russischer Gesandter am Wiener Hof und Musikmäzen, nannte Mozart „den ersten Klaviervirtuosen … Deutschlands“. Fast ein Sechstel seines Œuvres widmete Mozart der Klaviermusik. Die 18 Klaviersonaten sind nicht so stark auf eine glänzende Konzertwirkung angelegt; es ist gerade ihr intimer Charakter, der ihren besonderen Charme ausmacht. Wiewohl technisch durchaus anspruchsvoll, sind sie doch niemals vordergründig virtuos. In erster Linie dienten sie Mozart zum eigenen Vortrag auf Reisen oder als Unterrichtsmaterial für seine Schüler. Die Sonate Nr. 2 in F-Dur KV 280 schrieb Mozart im Alter von 18 Jahren während der Reise nach München anlässlich der Einstudierung für die Premiere seiner frühen Oper „La finta giardiniera“. Ausnahmsweise stehen bei dieser Sonate alle drei Sätze in einem Dreiertakt. Reizvoll sind die extremen Kontraste in Tempo und Ausdruck. Der muntere erste Satz in F-Dur beginnt mit einem fanfarenartigen Hauptthema. Ein zauberhaftes, ausdrucksvolles Adagio in f-Moll voller Melancholie bildet den Mittelsatz mit einem wiegenden 6/8-Rhythmus. Von Mozart’scher Spielfreude ist das spritzige Finale, das zu F-Dur zurückkehrt und zwei perlend leichte Themen aufweist.

Frédéric Chopins Etüden waren bahnbrechend für die gesamte Klavierliteratur und zeugen von einer innovativen Technik: Der junge Komponist und Pianist, der das Klavierspielen weitgehend autodidaktisch erlernt hatte, lotete damit die Grenzen dessen aus, was auf dem Klavier technisch machbar ist. Heinrich Heine war überrascht, welch weite Griffe Chopin mit seinen kleinen und zarten Händen bewältigen konnte, der Dichter verglich sie mit den Kiefern einer Schlange, die sich plötzlich auftun, um ihr Opfer zu verschlingen. Als der zeitgenössische Kritiker Ludwig Rellstab die Etüden zum ersten Mal zu Gesicht bekam, gab er den ironischen Ratschlag, beim Üben stets einen Chirurgen in Bereitschaft zu halten. In der Tat sind die physischen Anforderungen der Etüden enorm. Was ihre Ausführung jedoch zu einer echten Herausforderung und das Hören zu einem besonderen Genuss macht, ist ihr musikalischer Anspruch. „Sind sie doch sämtlich Zeichen der kühnen, ihm innewohnenden Schöpferkraft, wahrhafte Dichtergebilde […]“, schrieb Robert Schumann über Chopins Etüden. Die Zwölf Etüden op. 25 erschienen 1837, wenige Jahre nach dem ersten Etüdenband op. 10. Slawische Schwermut scheint aus der Etüde in cis-Moll Nr. 7 zu sprechen, deren Ausdrucksgehalt von Traurigkeit bis zu wildem Aufbäumen reicht. Chopin selbst spielte diese Etüde häufig und gern.

Die Idee, die hinter Chopins Sonate Nr. 2 in b-Moll op. 35 steckt, ist ein zyklischer Satzzusammenhang durch gemeinsamen emotionalen Ausdruck der einzelnen Sätze. Damit erweiterte Chopin das klassische Formmodell der Sonate im Geiste der Romantik. Alle Sätze stehen in Moll, was zur Entstehungszeit 1839 sehr ungewöhnlich war, wenigstens ein Satz wurde üblicherweise in Dur gesetzt. Ausgangspunkt der zweiten Sonate war für Chopin der berühmte Trauermarsch, der als Leitgedanke für das gesamte Werk zu verstehen ist. Der erste Satz (Grave) entspricht nicht den strengen Regeln der Sonatenform. Mit seinen langen Themen und kurzen Durchführungsteilen ist er eher rhapsodisch und fordert vom Pianisten eine kunstvolle Balance zwischen Gesamtheit und Detail. Das Scherzo mit dramatisch-emotionalem Ausdruck wahrt die klassische Dreiteiligkeit und enthält ein beseeltes, liedhaftes Trio. Der Satz lebt vom Kontrast zwischen dem donnernden ersten Abschnitt und diesem ruhigen Mittelteil. Im Marche funèbre schreitet der feierliche Marsch im punktierten Rhythmus über dem Glockenschlag der gleichmäßigen Bassakkorde. Der Mittelteil ist eine elegische Kantilene „wie ein Gespräch zwischen Engeln“, so beschrieb es Vladimir Horowitz. In dem melodielosen abschließenden Presto sah Robert Schumann eine „Sphinx mit spöttischem Lächeln“. Der Satz rauscht in kaum mehr als zwei Minuten dahin. Beide Hände spielen unablässig im Unisono, nur im letzten Takt erklingt ein gewaltiger Fortissimo-Akkord und bildet den markanten Schlusspunkt der Sonate. Der legendäre polnische Pianist Arthur Rubinstein schilderte das Presto als „ein Raunen des Windes über den Gräbern“.

Rubinstein, der bis heute als einer der größten Chopin-Interpreten gilt, war auch Widmungsträger der Variationen in b-Moll op. 3 seines Landsmanns Karol Szymanowski. Szymanowski gilt als der bedeutendste polnische Komponist des frühen 20. Jahrhunderts. In seinen Kompositionen vereinten sich verschiedene Einflüsse. Wichtige Vorbilder waren so unterschiedliche Komponisten wie Strawinsky, Ravel und Skrjabin. Das Etikett „Spätimpressionist“ für Szymanowski will nicht so recht passen, dafür ist sein Werk zu vielschichtig. Es gab auch eine Periode, in der er Anregungen aus der polnischen Volksmusik aufnahm und sich kompositionstechnisch Béla Bartók zum Vorbild nahm, und Phasen, in denen er die Grenzen der Tonalität auslotete. Die Variationen in b-Moll op. 3 datieren aus den Jahren 1901 bis 1903, als der 20-jährige Szymanowski noch Student in Warschau und mit dem jungen Arthur Rubinstein gut befreundet war. Die Variationen stehen noch in der romantischen Tradition des 19. Jahrhunderts und spiegeln Szymanowskis Bewunderung für Schumann und Liszt. Eine schöne Melodie wird von Szymanowski in zwölf Variationen verarbeitet, die teilweise mit kühnen Harmonien, Chromatik und Dissonanz die spätromantische Idylle unterwandern, so zum Beispiel in der Variation Nr. 3 „Andantino, quasi tempo di mazurka“, in der ein stilisierter polnischer Volkstanz zum Vorschein kommt – eine Vorausahnung von Szymanowskis späterer Hinwendung zur polnischen Volksmusik. Der Großteil der Variationen ist sehr virtuos und verlangt ein brillantes Spiel. Szymanowski, selbst ein begabter Pianist, wusste die klanglichen und technischen Möglichkeiten des Klaviers optimal zu nutzen. In der letzten Variation mit einer spektakulären Coda findet das Werk seinen Höhepunkt.

Sergej Rachmaninow schrieb seine Études-Tableaux op. 39 als letzten großen Höhepunkt seines pianistischen Werkes, kurz bevor er Ende 1917 seine geliebte russische Heimat in den Wirren der Oktoberrevolution verließ und sich in den USA niederließ – dass es ein Abschied für immer war, ahnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die ersten Études-Tableaux op. 33 waren bereits im Sommer 1911 auf dem Landgut der Familie entstanden. Rachmaninow führte mit seinen Etüden die Tradition der großen Konzertetüden von Chopin und Liszt weiter: schwierige technische Herausforderungen in der Form ausdrucksstarker Charakterstücke zu meistern. Die Bezeichnung „Études-Tableaux“ („Bilder-Etüden“ oder „Etüden-Gemälde“) stammt von Rachmaninow selbst. In allen Etüden op. 39 scheint das „Dies Irae“ des Requiems durch, die gregorianische Melodie der lateinischen Totenmesse, in der es um Qualen und Pein des Jüngsten Gerichts geht. Sie sind von einer erfindungsreichen Melodik und natürlichen Phrasierung geprägt, gespickt mit komplizierten Rhythmen. Rachmaninows Tonsprache ist stark emotional und erfordert viel Kraft vom Interpreten, aber auch Zartgefühl für die leisen Zwischentöne in der Musik. Viel später, im Jahr 1932 wurde Rachmaninow gefragt, was für ihn Musik eigentlich ist. Seine Antwort passt gut zu den Études-Tableaux: „Was ist Musik? Eine ruhige Mondnacht; das Rauschen der Blätter; entferntes Abendläu­ten; das, was von Herz zu Herz geht: die Lie­be; die Schwester der Musik ist die Poesie − ihre Mutter: die Schwermut!“

Dorle Ellmers

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